
Den Wahlabend in Stuttgart hatte sich der Linken-Vorsitzende Jan van Aken anders vorgestellt. Nach den ersten Hochrechnungen bleibt ihm nur noch, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. „Erst mal bin ich ja total glücklich, dass wir ein so historisches Ergebnis geschafft haben“, sagt er in eine Kamera des ZDF. Er sei „eigentlich stolz“ auf die mehr als 4 Prozent, die deutlich mehr seien, als die Linkspartei jemals in Baden-Württemberg geschafft habe.
Nun ja, eigentlich waren die Erwartungen in der Linkspartei höher gewesen. Die Voraussetzungen dafür schienen so erfolgversprechend wie nie: ein guter Bundestrend, die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre und zwei Koalitionspartner, bei denen von vorneherein feststand, dass sie weiter miteinander regieren werden. Deswegen hatte es diesmal unbedingt mit dem Landtagseinzug klappen sollen. Es ist anders gekommen.
Das strukturkonservative Flächenland scheint für die Linke ein aussichtsloses Pflaster zu bleiben – zumindest bei den Landtagswahlen. Aber immerhin war es diesmal so knapp wie noch nie. Ihr bisheriges Rekordergebnis waren 3,6 Prozent bei der Wahl vor fünf Jahren. Dass es jedoch im Spätzle-Land trotzdem durchaus ein Potenzial für die Partei gibt, zeigte sich jedoch bereits mehrfach bei den Bundestagswahlen, wo sie es immerhin dreimal – 2009, 2017 und 2025 – im Land über die Fünfprozenthürde schaffte. 6,8 Prozent der Zweitstimmen waren es bei der vergangenen Bundestagswahl.
Einer der Gründe für die Diskrepanz zwischen dem Abschneiden bei Bundes- und bei Landtagswahlen war stets die geringe personelle Verankerung der Partei in Baden-Württemberg. Über Jahrzehnte war die Linke eigentlich nur in den Groß- und Uni-Städten sichtbar. Das hat sich allerdings inzwischen verändert. So stieg die landesweite Mitgliederzahl von 3.500 im Jahr 2023 auf mittlerweile mehr als 10.300.
Der Einzug schien greifbar
Über die Hälfte der Mitglieder ist nach Angaben des Landesverbands 30 Jahre alt oder jünger – viele sind weiblich. Das spiegelte sich auch auf der Landesliste wider, mit der die Linke angetreten ist: Mit der 26-jährigen Kim Sophie Bohnen, der 23-jährigen Amelie Vollmer und der 29-jährigen Mersedeh Ghazaei stellte sie drei junge Frauen als Spitzenkandidatinnen auf. Auf den ersten zehn Plätzen fanden sich nur zwei Kandidat:innen, die älter sind als 30 Jahre.
Bei den jungen Wähler:innen hat das vergangen: Auf 14 Prozent kam die Linke laut Infratest Dimap bei den unter 25-Jährigen. Bei den Wähler:innen 60plus allerdings nur auf 2 Prozent. Insgesamt waren es zu wenig Linkswählende.
Lange Zeit sah es danach aus, als würde es die Linke beinahe spielend erstmalig den Landtagseinzug schaffen können. Noch bis Mitte Februar lag sie in den Umfragen stabil bei 7 Prozent. Doch je besser es den Grünen gelang, den Wahlkampf in seiner Endphase völlig auf das Duell ihres Spitzenkandidaten Cem Özdemir gegen den CDU-Mann Manuel Hagel zu fokussieren, ging es bergab.
„Am Ende war entscheidend, dass Manuel Hagel so eine Pfeife ist, dass ganz viele Menschen gesagt haben: Wir müssen Manuel Hagel verhindern“, sagte Parteichef van Aken auf der Stuttgarter Linken-Wahlparty zur Erklärung, warum es doch wieder nicht für den Landtag gereicht hat.
Die Behauptung, dass es einen gravierenden Unterschied machen würde, ob das Land künftig Grün-Schwarz unter Özdemir oder Schwarz-Grün Hagel regiert wird, hat die Linke offenkundig unter die Räder kommen lassen. „Das ist natürlich sehr schade“, sagte Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling der taz. „Auf den letzten Metern sind wir im Kopf-an-Kopf-Rennen etwas zerrieben worden.“







