Maßnahme gegen Elektroschrott: Der bundesweite Reparaturbonus kommt

Für Smartphones, Waschmaschinen und eine Reihe anderer Geräte soll ab diesem Sommer ein Recht auf Reparatur gelten – auch über die Gewährleistungsfrist hinaus. Eine dazu geplante gesetzliche Regelung macht den Herstellern konkrete Vorgaben. Sie soll sich positiv auf die Umwelt und die Geldbeutel der Verbraucher auswirken.

Das auch für den Verbraucherschutz verantwortliche Bundesjustizministerium geht davon aus, dass die 2024 beschlossene EU-Richtlinie in Deutschland pünktlich zum 31. Juli 2026 in Kraft treten wird. Wie das Ministerium mitteilt, ist ein Entwurf für die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht jetzt an Länder und Verbände versendet.

Der Referentenentwurf für das neue Gesetz setzte ein wichtiges Signal, sagt Anja Siegesmund, Geschäftsführende Präsidentin des Abfallverbandes BDE. „Jetzt kommt es darauf an, die neuen Vorgaben konsequent und verbraucherfreundlich umzusetzen – mit fairen Preisen, verlässlicher Ersatzteilverfügbarkeit und praxistauglichen Verfahren.“

Während der Bund den Bonus einführt, schafft Thüringen ihn wieder ab. Fünf Jahre lang wurden dort private Haushalte dabei unterstützt, defekte Elektrogeräte reparieren zu lassen, anstatt sie neu zu kaufen. Bis zu 50 Prozent und bis zu 100 Euro – später bis zu 130 Euro – der Reparaturkosten konnten sich die Thü­rin­ge­r:in­nen erstatten lassen.

50.000 Reparaturen in Thüringen unterstützt

Dafür hat das Land jährlich 800.000 Euro zur Verfügung gestellt. Koordiniert hat die Reparaturen vor allem die Thüringer Verbraucherzentrale, später wurden auch Repaircafés einbezogen. Wissenschaftlich begleitet wurde der Bonus vom Berliner Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM).

Insgesamt sollen in dem Thüringer Modellprojekt rund 50.000 Reparaturen unterstützt worden sein. Bei einem Drittel der reparierten Geräte handele es sich um Smartphones, darauf folgen Kühlschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspüler.

„Eine gemeinsame Studie mit dem Fraunhofer IZM zeigt, dass allein zwischen 2021 und 2024 durch 33.288 Reparaturen rund 2.971 Tonnen CO₂-Äquivalente sowie etwa 390 Tonnen Elektroschrott eingespart wurden“, sagte Magdolna Molnár, die den Bonus wissenschaftlich begleitet hat. Die Einsparungen entsprächen den Jahresemissionen von 275 Personen in Deutschland, so Molnár. Fast 80 Prozent der Nut­ze­r:in­nen des Bonus seien zwischen 36 und 75 Jahren alt gewesen. Regional nutzten Menschen aus Stadt und Land den Bonus gleichermaßen.

Um Reparaturen langfristig und verbindlich zu fördern, brauche es weitergehende Vorschriften, wie etwa ein reparaturfreundliches Ökodesign, die günstige und schnelle Verfügbarkeit von Ersatzteilen oder das Anbieten von Software-Updates über lange Zeiträume, sagt Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Grundsätzlich solle ein Reparaturbonus jedoch nicht aus Steuergeldern, sondern von den Herstellern selbst finanziert werden, findet Fischer. Das würde die Firmen zur Herstellung robusterer und langlebigerer Produkte anregen.

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Jährlich landen Millionen von Elektrogeräten auf dem Müll, die repariert werden könnten

Jährlich landen Millionen von Elektrogeräten auf dem Müll, obwohl viele von ihnen reparierbar wären. Laut Umweltbundesamt könnten in Deutschland 15 Prozent der gesammelten Altgeräte noch einmal genutzt werden – tatsächlich werden jedoch nur 1,7 Prozent aufbereitet.

Reparatur lohnt sich häufig nicht für Verbraucher

Die Gründe sind vielfältig: Herstellende konstruieren Geräte oft so, dass sie schwer zu öffnen und zu reparieren sind. Ersatzteile sind teuer, schwer erhältlich oder werden gar nicht erst angeboten. Unabhängige Werkstätten kämpfen zudem häufig mit fehlenden Reparaturanleitungen oder Software-Sperren.

Ein Reparaturbonus kann helfen, muss aber nicht: „Für Menschen, die sich auch mit Bonus eine Reparatur nicht leisten können, bleibt die Situation schwierig“, so die Thüringer Verbraucherzentrale. Mögliche Alternativen seien aber etwa ehrenamtlich arbeitende Repair-Cafés. Von extra Versicherungen für einzelne Elektrogeräte rät die Zentrale aber ab: „Geräteschutzbriefe und Zusatzversicherungen sind häufig teuer, haben Einschränkungen und lohnen sich aus unserer Erfahrung nur selten.“

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