Merz, Döpfner und die AfD: Der Kanzler steht auf Springers Abschussliste

Hat der Chef des Springer-Konzerns Mathias Döpfner Bundeskanzler Friedrich Merz im privaten Gespräch zu einer Zusammenarbeit mit der AfD aufgefordert? Diese Frage wird im politischen Berlin gerade rauf und runter diskutiert.

Am Mittwoch berichtete der Politik-Podcast „Wenn Sie wüssten …“ von einem Treffen unter vier Augen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem Chef des Springer-Konzerns Mathias Döpfner, das Anfang des Jahres im Kanzleramt stattgefunden haben soll. Darin soll es um den Umgang der CDU mit der AfD gegangen sein. Die Podcast-Hosts berufen sich auf „gut informierte Personen“, die im Anschluss von dem Treffen erfahren haben wollen.

Demzufolge soll Döpfner den Kanzler während des Besuchs dazu gedrängt haben, die CDU für eine Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen. Merz habe das kategorisch abgelehnt, mit den Worten: „Nur über meine Leiche.“ Als Döpfner insistiert habe, soll der Kanzler das Gespräch abrupt beendet haben. Döpfner soll beim Verlassen des Raumes gesagt haben: „Das werden Sie noch bereuen.“

Einen harten Beweis für ein derartiges Treffen oder seinen genauen Hergang haben die Journalisten nicht. Sie sprechen von „Sekundärquellen“ und „Indizien“. Der Axel-Springer-Konzern bezeichnet die Vorwürfe in einem Statement auf X als „absurd“, „glatte Lüge“ und „frei erfunden“. Das Medienhaus verweist auf Informationen, die bereits im November 2025 in der Berliner Journalistenblase kursiert haben sollen und in denen von einem fast gleich verlaufenen Gespräch die Rede ist.

Die Bundesregierung wiederum entgegnete auf Anfrage, man äußere sich grundsätzlich nicht zu nicht öffentlichen Terminen des Kanzlers, „unabhängig davon, ob sie stattgefunden haben oder nicht“.

Springer gegen die Brandmauer

Während das angebliche Treffen jetzt rauf und runter diskutiert wird, ist das nicht einmal die wichtigste Frage. Sowohl die Krise zwischen Merz und Springer als auch die Liebäugelei des Konzerns mit der AfD sind längst offensichtlich. So offenbart ein Blick in die publizistischen Springer-Erzeugnisse, dass Bild und Welt öffentlich und unverblümt eine Zusammenarbeit mit der AfD herbeischreiben. Der Journalist Sebastian Friedrich lieferte im Blog „Über Rechts“ eine Sammlung von Beiträgen, die in den letzten Monaten erschienen sind.

Ende Mai schrieb die Bild-Chefredakteurin Marion Horn in einem Kommentar gegen die „Brandmauer“ an – denn die nutze nur der AfD. Deutschland brauche einen „Befreiungsschlag“; die AfD solle sich im Gegenzug ihrer „Radikalen“ entledigen, und sich außenpolitisch zu EU und Nato bekennen.

Einen Tag später veröffentlichte die Bild ein Stimmungsbild ihrer Leser zur „Brandmauer“. 84 Prozent sprechen sich demnach für eine Zusammenarbeit mit der AfD aus. Und die Vizechefredakteurin Linna Nickel lobt in einem Kommentar einen „Jungunternehmer“, der sagt: „Die Brandmauer lähmt unser Land.“ Nickel findet: „Ich wünsche mir mehr mutige Unternehmer wie ihn, die endlich Position beziehen.“

Unvergessen ist natürlich auch der Gastbeitrag, den der Trump-Oligarch und frisch gebackene Billionär Elon Musk im Dezember 2024 in der Welt veröffentlichte. Dort bezeichnete Musk, der immer wieder Rechtsextremen applaudiert und die Verschwörungstheorie vom „großen Austausch“ bedient, die AfD als letzten Funken Hoffnung für Europa.

Merz und „Bild“

Diese Verschränkung zwischen dem Familienimperium Springer und den US-Tech-Oligarchen ist nicht rein publizistischer Natur. Laut einem Bericht im Manager Magazin soll der Palantir-Chef und Trump-Vertraute Peter Thiel Mathias Döpfners Sohn Moritz 50 Millionen Dollar in dessen Risikokapitalfonds eingezahlt haben – Geld, das auch in das Drohnen-Start-up Stark Defence fließt. Döpfner Junior arbeitete zuvor als Stabschef von Thiels Investmentfirma Thiel Capital. Mit der Akquise des US-Nachrichtenportals Politico 2021 baute Springer gleichzeitig sein Geschäftsfeld in den USA aus.

Zwischen Springer und dem Bundeskanzler hingegen hat sich eine Kluft aufgetan. Dabei war die Beziehung einst so harmonisch, etwa als Merz im Herbst 2018 seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz (und damit seine Rückkehr auf die politische Bühne) in der Bild ankündigte. „So nah dran, so wohlwollend wie kein anderes Medium“, fasste die taz damals die Berichterstattung der Bild über Merz zusammen.

Der Chefredakteur des Boulevardblatts hieß damals noch Julian Reichelt. Jener Reichelt, der 2023 die Leitung des rechten Portals Nius übernahm. Bei Nius hat man sich den Kampf gegen die Brandmauer quasi zur Hauptaufgabe gemacht. Jetzt sind auch Springer und Bild auf dem Weg dahin – Vieraugengespräche hin oder her.

  • informationsspiegel

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