Was ist der Schufa-Score?
Mobilfunkvertrag, Kredit, Zahlung auf Rechnung bei einem Onlineshop oder eine Wohnung zur Miete – in vielen Situationen wollen Vertragspartner:innen Einblick in die Schufa-Daten haben. Damit wollen sie sich absichern: Wie wahrscheinlich ist es, dass Kundinnen oder Mieter ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen? Maßgeblich für die Entscheidung für oder gegen ein:e Interessent:in ist dann häufig der Schufa-Score. Damit schätzt die Schufa ab, wie wahrscheinlich Kund:innen wie vereinbart zahlen.
Warum ist der Score so umstritten?
Bislang tappten Verbraucher:innen bei vielen Fragen im Dunkeln: Wie kommt der eigene Score zustande? Warum hat er sich zu bestimmten Zeitpunkten verbessert oder verschlechtert? Welches Unternehmen hat wann persönliche Daten von der Schufa angefordert? Warum bekommt man als Verbraucher:in nicht die gleichen Zahlen zu sehen, die Mobilfunkprovider oder Onlineshops präsentiert bekommen?
Und wie kann es eigentlich sein, dass letztlich ein Privatunternehmen in vielen Bereichen über die wirtschaftliche Teilhabe von Menschen entscheidet? Denn wer den potenziellen Vertragspartner:innen die Schufa-Auskunft verweigert, kann damit rechnen, direkt aussortiert zu werden. Der Schufa-Score ist mächtig. Das Unternehmen ist Deutschlands größte Auskunftei im Verbraucherbereich. Pro Tag beantwortet es durchschnittlich 350.000 Bonitätsanfragen.
Was ändert sich jetzt?
Die Schufa hat ihren Score komplett umgebaut. Damit sollen Verbraucher:innen einfacher erkennen können, wie und warum ihre Bonität so eingeschätzt wird. „Der neue Score wird verständlich, aussagefähig und gut vorhersehbar“, versprach Schufa-Chefin Tanja Birkholz bereits bei der Vorstellung der Pläne im vergangenen Jahr. Konkret heißt das: Statt einer prozentualen Wahrscheinlichkeitsangabe gibt es nun zwischen 100 und 999 Punkten. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher schätzt die Schufa es ein, dass die Betreffenden die Zahlungsverpflichtungen erfüllen.
Keinen Score erhält, zu wem die Schufa eine „Zahlungsstörung“ registriert hat – also etwa eine nicht gezahlte Rechnung. Warum die Schufa eine:n wie bewertet, lässt sich nach Registrierung auf der Webseite des Unternehmens kostenlos einsehen. Dort gibt es auch Informationen darüber, welche Firmen zuletzt die eigenen Schufa-Daten angefragt haben.
Der neue Score gilt seit dem 17. März. Bislang nutzen ihn laut der Schufa rund 25 Prozent der Unternehmen, die den Score beziehen. Bis Jahresende sollen es die Hälfte sein, und bis Ende 2028 soll der alte Score komplett ersetzt werden. Mit der Umstellung bekommen Verbraucher:innen erstmals dieselben Score-Werte angezeigt wie ihre Vertragspartner:innen. Das gilt auch für Branchen wie Handel und Banken, die bislang eine Extraberechnung bekamen.
Was wirkt sich positiv auf den Score aus, was negativ?
Für den neuen Score sind 12 Kriterien maßgeblich. Dazu zählen, wie lange der älteste Bankvertrag schon läuft, wie lange man schon die älteste Kreditkarte hat, wie lange man an derselben Adresse wohnt und ob man einen Immobilienkredit abgeschlossen hat. Für jedes der 12 Kriterien werden Punkte vergeben. Je mehr Punkte, desto besser die Bewertung im Score. Beispiel Ratenkredit: Wer in den vergangenen 12 Monaten keinen abgeschlossen hat, bekommt die maximale Punktzahl von 66. Hat die Schufa in diesem Zeitraum einen Ratenkredit registriert, gibt es 48 Punkte, bei zwei Ratenkrediten 32 Punkte und bei mehr als drei 0 Punkte. Diese Infos zu jedem Kriterium können Verbraucher:innen nun über sich einsehen.
Wie lässt sich der eigene Score verbessern?
In der Vergangenheit hatte die Schufa ihre Intransparenz über die Kriterien und die Score-Berechnung auch damit begründet, dass sich der Score sonst manipulieren lasse. Nun gibt die Auskunftei selbst Tipps für eine bessere Bewertung. Zum Beispiel, alte Verträge nach Möglichkeit nicht zu kündigen und neue Vertragsabschlüsse strategisch zu timen. Denn wer etwa ein neues Girokonto oder eine neue Kreditkarte braucht, holt gerne mehrere Angebote ein.
Fragen hier über mehrere Monate hinweg Banken den Score ab, wirkt sich das negativ aus. Doch Anfragen und Abschlüsse, die innerhalb eines 28-Tage-Zeitraums eingehen, werden zu einer Anfrage gebündelt. Wer sich also schnell kümmert und entscheidet, hat einen besseren Score als eine Person mit identischen Kriterien, die einen Abschluss über Monate streckt. „Tatsächlich kann der neue Score für mehr Klarheit und Transparenz sorgen, aber es gibt weiterhin strukturelle Probleme“, sagt Adriana Cuppuleri von der NGO Algorithmwatch.
Was belohnt die Schufa?
Neben Treue – zum Bankkonto, zur Wohnung – belohnt die Schufa auch das Alter von Verbraucher:innen. Beispiel Bankvertrag: Wer den ältesten Bankvertrag schon seit mindestens 20 Jahren laufen hat, erhält dafür die Höchstpunktzahl von 69. Darunter gibt es stufenweise etwas weniger Punkte, je nach Laufzeit. Ab 15 Jahren 56 Punkte, ab 10 Jahren 49 Punkte, und dann in weiteren Schritten runter auf 0 Punkte, wenn der Vertrag noch frischer ist als 3 Monate.
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Ein ähnliches Muster gibt es bei Kreditkarten und der Adresse. Immobilienkredite werden mit 55 Punkten belohnt. Auch die werden tendenziell ältere Menschen abgeschlossen haben. „Für junge Menschen ist es so viel schwieriger, einen Kredit oder einen bestimmten Vertrag zu bekommen“, kritisiert Cuppuleri. Die Schufa verteidigt ihren Ansatz: „Fahranfänger haben am Anfang auch höhere Versicherungsbeiträge, weil die Versicherung nicht weiß, ob jemand vorsichtig fährt“, sagt Sprecher Robert Heusinger. Nach dem Abschluss des ersten eigenen Konto- und eines Kreditkartenvertrags könne man nach einem Jahr in der zweitbesten Risikoklasse – gut – landen.
An welchen Punkten gibt es noch Kritik?
Christine Steffen, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW, weist auf einen weiteren Nachteil hin: „Auch Menschen, die Angebote vergleichen und häufiger den Anbieter wechseln, handeln sich bei der Schufa Punktabzüge ein.“ Sowohl Steffen als auch Adriana Cuppuleri kritisieren zudem, dass fehlerhafte Einträge weiterhin ein großes Risiko für Verbraucher:innen bedeuten – und diese dann selbst aktiv werden und auf eine Korrektur des Fehlers hinwirken müssen. So würden laut Steffen etwa Inkassobüros der Schufa immer wieder Zahlungsstörungen auf Basis unberechtigter Forderungen melden – das ist nicht erlaubt.
Kritisch sieht Cuppuleri auch die Idee, dass Verbraucher:innen auf freiwilliger Basis Einblick in weitere Daten geben können. So hatte die Schufa vor einigen Jahren geplant, dass Verbraucher:innen ihre Kontoauszüge öffnen können, um trotz schlechtem Score einen Mobilfunkvertrag oder eine Ratenzahlung zu bekommen. Nach Protesten ruderte die Schufa zurück.
Cuppuleri sagt zu solchen Konzepten: „Damit bekommt eine Auskunftei auch Einblick in sehr sensible Daten, etwa Zahlungen an Parteien, an religiöse Gemeinschaften oder für medizinische Zwecke.“ Sie fordert daher klare gesetzliche Regelungen für Auskunfteien und darüber hinaus. Gerade Fintechs, also digitale Finanzdienstleister, räumen sich oft Einblicke in die Kontoauszüge ein. Es brauche eine Regulierung dessen, welche Daten erhoben, gespeichert und nach welcher Zeit sie gelöscht werden müssten.
Was können Verbraucher:innen tun?
Die Verbraucherzentrale NRW rät, regelmäßig die eigenen bei der Schufa gespeicherten Daten zu überprüfen. Dafür müsse man keinen Account dort anlegen. Es reiche, das Recht auf eine kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung in Anspruch zu nehmen. Das sei auch öfter als einmal jährlich möglich, wenn man davon ausgehe, dass sich die eigenen Daten geändert hätten. Bemerke man Fehler, solle man sich sowohl an die Auskunftei wenden als auch an das Unternehmen, das die falschen Daten übermittelt hat.
Die Datenkopie kann auch für Menschen interessant sein, die das kostenlose Schufa-Konto nutzen. Denn hier werden die Daten quartalsweise aktualisiert – wer tagesaktuelle Daten haben will, braucht einen kostenpflichtigen Account. Vor Drittanbietern, die Zugänge zu Schufa-Daten verkaufen, um sie dann anzubieten, warnen die Verbraucherschützer:innen übrigens. Hier zahle man für eine Leistung, die man auch kostenlos bekommen könne.







