Neuer Buchpreis: Herausragendes über Niedersachsen

Weil sie ohnehin alles dort Erscheinende sammeln muss, vergibt die Niedersächsische Landesbibliothek nun einen Preis.

Ein Preis, ausdrücklich solchem Gedruckten zugedacht, das „sich in herausragender Weise mit Niedersachsen“ beschäftigt? Nur folgerichtig findet es der Spötter, wenn so eine Auszeichnung dann als „Pflichtlektüre“ benannt ist. Das ist aber weder sanfte Subversion noch brachiale Ironie – wer kennte denn kein Buch, das ih­m*ihr die, eben, pflichtschuldige Beschäftigung im Deutschunterricht so richtig vergällt hätte?

Nein, der Name kommt anders zustande, nämlich maximal verwaltungsspröde: Der nun erstmals auslobenden Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) in Hannover hat der Gesetzgeber schlicht den Auftrag verpasst, Pflichtexemplare jeder in Niedersachsen erscheinenden Publikation anzuschaffen. „Dies betrifft sowohl Verlagsveröffentlichungen“, lesen wir, „als auch Veröffentlichungen außerhalb des Verlagsbuchhandels (Monographien, Zeitungen, Zeitschriften).“

Niedersachsen im Zentrum

Für den Preis reicht aber solch vorzeigbare Herkunft nur formal, also, um sich überhaupt dem mehrstufigen Kür-Verfahren stellen zu dürfen. Das Herausragende an der Beschäftigung mit dem Agrar- und Volkswagenland muss dann am Ende eine fünfköpfige Jury beurteilen: etwa danach, ob denn Niedersachsen auch genügend „im Zentrum“ steht. Ferner, ob sich die Publikation auszeichnet „durch eine klare und nachvollziehbare Darstellung der Inhalte“, ob sie „einen neuen, innovativen Zugang zu einem Thema“ bietet und dann auch noch eine „besonders gelungene“ Gestaltung aufweist.

Bis auf die Shortlist gelangt sind im ersten Durchgang die Autobiografie eines ehemaligen VW-Mitarbeiters, eine Biografie der Insel Langeoog, Claudia Gorilles Fotoband über einen Braunschweiger Club namens „Silberquelle“, eine historische Analyse von 100 Jahren hannoverscher Imagepolitik und der auch von der taz gewürdigte Wolf-und-Schäfer-Roman „Von Norden rollt ein Donner“ von Markus Thielemanns.

Verliehen wird der Preis, dotiert mit 4.444 Euro – möchten Sie raten, auf wie viele latent rivalisierende Landesteile die niedersächsische Identität sich stützt? – am 3. Dezember.

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