Neues Album von Superstar Rosalía: Sie ist das Licht der Welt

Spätestens, seit ihre „Berghain“-Single Ende Oktober viral gegangen ist, wartete die halbe Welt auf die Veröffentlichung des neuen Albums von Rosalía, der erfolgreichsten spanischen Popsängerin aller Zeiten. Nun ist es da. Und „Lux“ ist so spanisch, wie es nur sein kann. Die Musik handelt von Katholizismus und Sünde, Herzschmerz und Vergebung. Kurzum: Pathos, Schmalz und Bigotterie.

„Lux“ markiert eine Zäsur in Rosalías bisherigem musikalischen Schaffen. Statt reggaetoneskem „Gitaneo“-Dancesound und urbanem Mainstream-Pop mit Flamenco-Touch dräut nun Hochkultur: Streicher-Arrangements, klassischer Gesang, Chöre und Textzeilen auf Deutsch, Italienisch, ja sogar Latein. „Ego sum lux mundi“ – „Ich bin das Licht der Welt“, singt Rosalía. Und die Welt fragt sich: Kann man dazu tanzen? Und vor allem, was will uns die Künstlerin eigentlich damit sagen?

Die sonst eher knapp bekleidete Motomami wird für ihr neues Album zur Nonne in Weiß. Und der Interpretationsspielraum, den sie lässt, ist groß. Mit dem Berliner Technoclub „Berghain“ hat ihr gleichnamiger Song nichts zu tun, oder? Der Grat zwischen keuscher Frömmigkeit und sündiger, lustvoller Leidenschaft ist schließlich schmal. Ebenso der zwischen dem weltlichen, profanen Leben und dem transzendenten, heiligen. „Primero amar el mundo y luego amar a dios“, singt Rosalía direkt im Auftaktsong „Reliquia“.

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Das Album

Rosalía: „Lux“ (Columbia/Sony)

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Zuerst die Welt lieben, dann Gott? Ein Glaubensbekenntnis ist „Lux“ nicht, eher ein Spiel mit Klischees und der Ästhetik konservativer Reinheit. Wobei es aber mehr um Zugehörigkeit geht als um Religionskritik. Bei „Novia Robot“ tauchen HipHop-Sounds auf, hier beklagt die Künstlerin Sexismus, Materialismus und Konsum. Bevor Rosalía mit den Worten endet, dass sie sich ab jetzt nur noch für ihren Gott hübsch macht und für niemand mehr sonst.

Kurztrip ins Sündenbabel Berlin

Die Mischung aus modernen Housebeats und traditioneller Flamenco-Musik – in der spanischen Kultur eng mit Religion und konservativen Werten verbunden – zieht sich durch die gesamte Musik des Albums. Und sorgt für reichlich Dynamik, vor allem innerhalb der Songs selbst, die oft etwas zu abrupt enden. „Berghain“ – einer der kraftvollsten Songs auf dem Album – steht exemplarisch für die collagenhafte, sprunghafte, fast schon konzeptlose Aneinanderreihung verschiedener Stilelemente innerhalb eines Songs, was die Hörerin auch ratlos zurück lässt.

Zur Mitte hin wird „Lux“ ruhiger, Rosalía singt nun mit Sopranstimme zu den sanften Melodien ihrer Balladen. Und singen kann die Künstlerin, die an der Höheren Musikschule von Katalonien Gesang studiert hat, allemal. Wenn Rosalía sich spanischer Leidenschaft, Schmerz und Pathos widmet, dürfen Flamenco-Vibes auf keinen Fall fehlen. Bei „Porcelana“ dringt noch „Malamente“-Sound mit Trap-Einschlag durch.

Sollte „Berghain“ einen Kurztrip ins Sündenbabel Berlin thematisiert haben, spätestens mit „La Rumba del Perdón“ geht es wieder zurück nach Andalusien. Inklusive Gitarre, Palmas und charakteristischen Flamenco-Gesang.

Strategie der Überwältigung durch Streicher

Der Wechsel zwischen simplen Klaviermelodien und süffigen Poparrangements sorgt durchaus für Gänsehautmomente. Seine Längen hat „Lux“ dennoch. Die Überwältigungsstrategie des pompösen Streicherarrangements von „Berghain“ trägt nicht über die volle Distanz, insgesamt 18 Tracks hat Rosalía für ihr neues Album rausgehauen, fast zu viel des Guten.

Am Ende wartet dann auch der Tod. Rosalía singt im Finale „Magnolias“ episch über ihre eigene Beerdigung, inklusive Blumenkranzgebinde und Kirchenchor. Durchaus faszinierend, wie sie es schafft, ein großes Publikum für die sonst eher wenig populäre klassische Musik zu begeistern.

Vom südamerikanischen Reggaeton-Party-Markt wendet sich die spanische Künstlerin mit „Lux“ dagegen erst mal ab, der ist scheinbar gesättigt. Dafür gibt es jetzt „hochwertigere“ Songs für das europäische Publikum. Hat auch was Koloniales.

  • informationsspiegel

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