Neues Vampirspiel „Bloodlines 2“: Fast wie im Kleingartenverein

Vampire wirken ja oft wie Einzelgänger, die sich nichts vorschreiben lassen. Im neuen Spiel „Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2 ist das Quatsch. Dort gibt’s mehr Regeln als im typischen deutschen Kleingartenverein. Nur ohne Nazis und Deutschlandflaggen.

Mehr als 20 Jahre habe ich sehnsüchtig auf „Bloodlines 2“ gewartet. Ich liebe den Vorgänger. Darin erkundete ich als Vampir das nächtliche Los Angeles. „Bloodlines“ war eine sogenannte immersive Simulation, in der ich relativ viel Handlungsfreiheit hatte: In Dialogen manipulierte ich mit meiner attraktiven Vampirlady Männer, knackte Schlösser, um Kämpfen auszuweichen, oder verkloppte alle. Als 14-Jähriger verbrachte ich so viele Nächte im digitalen Los Angeles, dass ich fast selbst zum Blutsauger geworden wäre, dann aber doch zum Tomatensaft griff.

Das Verlangen nach dem roten Saft hatte ich diesmal nicht. Denn „Bloodlines 2“ hat mit dem Vorgänger fast nichts mehr zu tun. Als uralte Vampirin namens Phyre erwacht man aus dem Tiefschlaf; schon vor 500 Jahre versenkte die Vampirfrau ihre spitzen Zähne in zarten Hälsen, und nun ist sie in Seattle. Mit ihrem osteuropäischen Akzent (logisch, alle Vampire kommen ja aus Rumänien) ist Phyre eine recht spannende Figur, weil sie die Stimme eines anderen Vampirs in ihrem Kopf hört. Bis zum Schluss will ich wissen, wie das ausgeht.

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Das Spiel

Vampire: The Masquerade – Bloodlines 2

Veröffentlichung: 21.10.2025

Plattformen: PC, PS5, Xbox Series X/S

Alter: USK-Freigabe ab 18 Jahren

Preis: 60 Euro

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In „Bloodlines 2“ erlebe ich wie im Vorgänger eine glaubwürdige Vampirgesellschaft. Da gibt es die Camarilla, eine große Sekte, die entscheidet, ob neue Vampire geschaffen oder getötet werden dürfen. Wenn die Blutsauger über die Menschheit lästern und Bram Stoker, Autor des „Dracula“-Romans, einen Hochstapler nennen, möchte ich auch Vampir und kein langweiliger Mensch sein.

Schickeria-Vampire und hässliche Nosferatu

Zu Spielbeginn entscheide ich mich für einen von sechs Vampirclans. Brujah-Vampire keilen sich gerne, ich spiele aber lieber die Schickeria-Vampire vom Tremere-Clan. Die geben Gegnern einen Schmatzer, woraufhin sie auf meiner Seite kämpfen. Abgesehen davon kann ich meine Vampirin kaum an meine Spielweise anpassen. Und die besten Vampirklassen aus dem Vorgänger fehlen.

Etwa die Nosferatu-Vampire. Sie sind stark und gewieft, aber so hässlich, dass sie nur über die Kanalisation von A nach B kommen, um unter den Menschen nicht aufzufallen. Wie gerne hätte ich auch einen Malkavianer gespielt; das sind durchgeknallte Vampire, die mit Toastern und Fernsehern reden und ständig Stimmen hören. Also fast wie ich nach einer nächtlichen Gamesession.

Das alles ist „Bloodlines 2“ nicht. Es ist auch kein Rollenspiel mehr. Das wird alle Fans enttäuschen, die den Vorgänger liebten. „Bloodlines 2“ ist eher ein Action-Adventure, das sich auf seine Geschichte konzentriert; und auf seine Spielwelt, die neugierig macht. In Seattle ist Weihnachtszeit und an den Schaufenstern baumeln Dekokugeln und Lichter glitzern. Weil ein Schneesturm tobt, sind die Straßen voller Schnee. Die Mischung aus heimeliger Glühweinstimmung und versifften Vampirschuppen der Unterwelt ist toll. Und das Erkunden von Seattle macht zumindest anfangs Spaß.

Meine Vampirin klettert so schnell die Häuserfassaden empor, dass der durchschnittliche Parcours-Heini aus deutschen Innenstädten vor Neid erblassen würde. Leider gibt es in Seattle bis auf ein paar Nebenaufgaben nichts zu entdecken. Und die sind auch noch langweilig: Als Vampir-Paketbote transportiere ich Päckchen oder befreie Gefangene. Da lege ich mich doch lieber wieder in den Sarg.

Den Vorgänger haben Fans bis heute mit neuen Inhalten versorgt und Fehler behoben. Vielleicht bekommt das nächtliche Seattle in den nächsten Jahren ja auch noch neue Aufgaben spendiert. Erste Anpassungen sind schon erschienen, darunter neue Frisuren und Klamotten. Hoffentlich gibt’s keinen Deutschlandhut.

  • informationsspiegel

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