Palästina-Frage spaltet Grüne in UK: Zack in die Kontroverse

Bei einer Londoner Demo gegen rechts am Samstag tanzte Zack Polanski, der Parteichef der englischen und walisischen Grünen, auf dem Podium. Grund zum Tanzen hatte er: In Meinungsumfragen kommt die Partei auf 19 Prozent Zustimmung und hängte damit Labour um drei Prozentpunkte ab. Das ist nicht zuletzt Polanski zu verdanken, der bereits bei seiner Ernennung im September ankündigte, einen Stil einführen zu wollen, der den der Rechtspopulisten von Nigel Farrages Reform UK kopiert – wenn auch auf links-grün gedreht. Diese Forschheit kam offensichtlich gut an.

Polanski, oft lässig mit Sakko auftretend, wurde 1982 in Manchester in eine jüdische Großfamilie hineingeboren. Bekennend säkular, vegan und in gleichgeschlechtlicher Ehe lebend, ist Polanski stolz darauf, einer von nur fünf Juden zu sein, die je eine britische Partei leiteten.

Polanski studierte Soziologie und Theater in Wales und im US-Bundesstaat Georgia und arbeitete danach als Schauspieler, aber auch als Hypnotherapeut. Mit einer Journalistin ließ er sich auf ein Experiment ein: Er behauptete, durch Hypnose ihre Brust vergrößern zu können. Er entschuldigte sich später dafür.

Zunächst bei den Liberaldemokrat:innen, wechselte er 2017 zu den Grünen. 2021 wurde er Abgeordneter des Londoner Versammlungsrats. Für die nächsten Unterhauswahlen, die spätestens im Sommer 2029 anstehen, will er sich nicht nur als Kandidat für das Parlament aufstellen lassen, sondern sieht sich als potenziell zukünftiger Premierminister, wie er der BBC erklärte.

Bei seiner Politik ginge es ihm um drei Grundfragen, sagte er in einem Video der Grünen-Partei Mitte März: „Wie man das Leben erschwinglicher macht, wie man die Mehrheit vor einer reichen Elite schützen kann und wie wir den Planeten für die zukünftigen Generationen bewahren.“ In konkrete Politik übersetzt heiße das: Mieter:innenschutz, eine schnellere Energiewende und Besteuerung von Multimillionär:innen.

Existenzrecht Israels infrage gestellt

Außenpolitisch geht es bei den Grünen, und bei Polanski vor allem, um Israel. Manchen in der Partei ist es nicht deutlich genug, Israel des Völkermords zu beschuldigen und ein Waffenembargo zu fordern. Am Samstag sollte deshalb beim Grünen-Frühjahrsparteitag über einen Antrag der Gruppe „Greens for Palestine“ abgestimmt werden, der Zionismus pauschal als rassistisch definiert und das Existenzrecht Israels infrage stellt.

Die jüdische Gruppe der Grünen argumentierte dagegen: Man schließe damit Jüdinnen und Juden aus, die selbst kritisch gegenüber dem israelischen Staat seien. „Zionismus war die Hoffnung auf ein friedliches Land ohne Verfolgung“, sagte auch Polanski in einem Interview mit dem Londoner Radiosender LBC. Aber der Zionismus der Regierung Netanjahus sei rassistisch, da sie „die Ausrottung des palästinensischen Volkes beinhalte.“

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Diskussion über die Palästina-Frage

Durch technische Probleme kam es am Ende nicht zur Abstimmung, die Lager auf dem Parteitag überzogen sich dafür gegenseitig mit Unterstellungen. Polanski hat einst Jeremy Corbyn, Galionsfigur der Linken, für Antisemitismus in der Labourpartei kritisiert. Kann er seine eigene Partei nun vor einer Selbstzerfleischung über der Palästina-Frage retten?

Wenig kontrovers hingegen Polanskis Auftritt auf der Demo gegen rechts: Bis zu einer halben Million Menschen zogen laut Angaben des Veranstalters, das Bündnis Together Alliance, am Samstag durch London, um unter anderem für eine humanere Migrationspolitik zu demonstrieren. Die pro-palästinensische Palestine Coalition organisierte ebenfalls einen Marsch, man traf sich in Westminster. Man stehe auch hier für die Sache der Palästinenser: „Unsere Kämpfe“, sagte Polanski in einer Rede, „sind miteinander verbunden.“

  • informationsspiegel

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