
„Ab in den Urlaub“ zeigt einen gescheiterten Konzern, einen Exzentriker und die Aufbruchstimmung im Osten. Sentimental ist die Sache aber nicht.
Manche Podcasts drängen sich trotz ihrer Klasse nicht auf den ersten Blick auf. „Ab in den Urlaub“ ist so einer.
Der MDR erzählt darin die Geschichte von Unister, dem Leipziger Internetkonzern hinter Portalen wie Ab-in-den-Urlaub.de oder Fluege.de. Ein Unternehmen, das in den 00ern rasant wuchs – und später mit Skandalen, Razzien, Geldwäschevorwürfen und einem Unglück langsam zugrunde ging: 2016 starben Firmengründer Thomas Wagner und sein Geschäftspartner bei einem Flugzeugabsturz, kurz nach einem dubiosen Deal in Italien. Stoff wie für einen Wirtschaftskrimi.
Wirtschaftsberichterstattung hat meist ein Problem: Was wirklich passiert, bleibt oft hinter verschlossenen Türen. Manager geben keine Interviews, Kritik wird von Anwält*innen abgewehrt.
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Bei Unister ist das anders. Über Wagner und sein Unternehmen ist viel Material erhalten. Der Podcast arbeitet mit internen Mails, Dokumenten und zahlreichen Zeitzeug*innen – darunter eine frühere Pressesprecherin oder Reiner Calmund, der Werbegesicht bei Unister war.
Viele Grauzonen
So entsteht das nahe Porträt eines exzentrischen Gründers: Wagner lebte noch als Millionär in einem Leipziger Studentenwohnheim, führte die Firma oft impulsiv und konnte gegenüber Mitarbeitenden cholerisch werden.
Gleichzeitig erzählt der Podcast auch vom Internet der frühen 2000er: von Aufbruchstimmung im Osten, von einem Markt mit vielen Grauzonen – und davon, wie Unister in kurzer Zeit über 40 Plattformen aufbaute und hunderte Millionen Euro Umsatz machte.
Dabei kommen auch Nebenfiguren ins Bild, etwa ein Anwalt, der das Unternehmen einst immer wieder aus juristischen Krisen boxte und später gerade deshalb zum leidenschaftlichen Verbraucherschützer wurde.
Gerade diese Mischung aus Zeitgeschichte, Wirtschaftskrimi und sehr persönlichen Einblicken macht den Podcast hörenswert.
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