

Fans der Internet-DJ-Set-Übertragungsplattform „Boiler Room“ sind nicht amüsiert: Ihr wird vorgeworfen, Verbindungen zur „israelischen Apartheid“ zu hegen. Wer an einer Boiler-Room-Party teilnehme, helfe „‚Israel‘, seine Besatzung zu legitimieren“ und „Waffeneinsatz zu billigen, womit nicht nur Menschen getötet, sondern auch Proteste verhindern“ würden. So schreibt es die antiisraelische Kampagnenseite „Ravers for Palestine“ in einem Aufruf auf Instagram, der inzwischen mehr als 20.000 Likes hat.
Anlass war Ende Januar der Verkauf von Boiler Room: Der Eigentümer DICE stieß das Unternehmen an den britischen Investor Superstruct Entertainment ab, der hinter Festivals wie dem in Wacken steht. Und dieser gehört wiederum dem US-Investmentriesen KKR. KKR hat ein großes Portfolio, investiert unter anderem in israelische Techunternehmen wie die Immobilienplattform Guesty. KKR ist auch größter Anteilseigner am Axel-Springer-Konzern und hat Positionen in Verteidigungsunternehmen.
Deshalb gerät Boiler Room nun ins Visier antiisraelischer Aktivist*innen. In letzter Zeit sagten Künstler*innen wie Ikonika geplante Auftritte aus Protest ab. Die Kampagne trifft ausgerechnet eine Plattform, die sich klar propalästinensisch positioniert und seit Langem die antiisraelische Boykott-Lobby BDS unterstützt.
2018 veröffentlichte Boiler Room etwa die Doku „Palestine Underground“, gedreht in Ramallah, in der selbst das Kernland Israel als „Occupied Palestine“ bezeichnet wird.
Boiler Room reagiert nun auf die Boykott-Kampagne mit einem Statement. Darin distanziert man sich von der Muttergesellschaft. KKR-Investitionen „stimmen nicht mit unseren Werten überein“, heißt es darin. Boiler Room bleibe „unumwunden pro Palästina“ und verfolge weiterhin BDS-Leitlinien. Anfang März kündigte Boiler Room auch ein Palästina-Fußballtrikot mit seinem Logo als Sponsor an. Die Kritik an Boiler Room verstummte deshalb nicht.
Werbedeals mit Red Bull
Die Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI) – Mitinitiator der 2005 gegründeten BDS, die etliche jüdische Organisationen und der Bundestag als antisemitisch einstufen – begrüßte die Distanzierung. Die Kampagne fordert die 70 von Superstruct veranstalteten Festivals auf, sich dem BDS anzuschließen. Ansonsten würden sie selbst boykottiert.
Boiler Room galt als Erfolgsgeschichte der Dancefloorindustrie: Die Plattform, 2010 in London als Underground-Party mit Livestream gegründet, hat DJs zu Weltstars gemacht. Inzwischen ist die Plattform zur Marke samt Werbedeals mit Red Bull geworden – verliert allerdings immer mehr an Glaubwürdigkeit. 2023 traten etwa die Sugababes auf. Heute gibt es viele Nachahmer, die Nischen gezielter bedienen.
Dass nun selbst BDS-Unterstützer Boiler Room den Rücken kehren, verheißt nichts Gutes für die Zukunft der Plattform.