Reform der Notfallversorgung: Gut, aber nicht gut genug

Rettungsdienste sind mittlerweile selbst Notfälle: überlastete Einsatzkräfte, übervolle Notaufnahmen. Neue Notfallzentren sollen Abhilfe schaffen.

D as medizinische Notfallsystem ist überlastet: viele Einsätze, erschöpfte Rettungskräfte, überfüllte Notaufnahmen. Eine Reform soll jetzt Abhilfe schaffen, der Bundestag hat am Donnerstag ein entsprechendes Gesetz beschlossen. Vielerorts ähnelt ein 12-Stunden-Dienst auf dem Rettungswagen Leistungssport: Pausen sind selten, Essen nur zwischendurch möglich. Kaum steht das Fahrzeug in der Garage, geht der Pieper erneut los. In der Notaufnahme setzt sich die Überlastung fort: Personal ist überarbeitet, Wartezimmer sind überfüllt.

Das Problem wird verschärft durch Patient:innen, die einen Arzt brauchen, aber keine Notfälle sind. Nur wissen sie nicht mehr, wohin sie sich wenden sollen, weil sie wochenlang vergeblich auf einen Termin in der ambulanten Versorgung warten. Oder erst gar nicht als Patienten angenommen werden. So ist ein Ansatz der Notfallreform, den Rettungsdienst mit der Ambulanz zu vernetzen; es sollen integrierte Notfallzentren geschaffen werden. Dort sollen Pa­ti­en­t:in­nen sowohl eine Notaufnahme als auch eine Notdienstpraxis vorfinden.

Klingt gut, birgt aber eine Gefahr: Medizinisches Personal soll künftig entscheiden, wer ambulant versorgt werden kann und wer einen Rettungswagen braucht – eine große Verantwortung, bei der kein Fehler unterlaufen darf. Gleichwohl könnten sich die Arbeitsbedingungen der Einsatzkräfte leicht verbessern, wenn eine bessere Steuerung der Pa­ti­en­t:in­nen zu weniger Einsätzen führt.

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taz debatte

Insgesamt ist die Reform ein erster Schritt, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Allerdings konterkarieren andere Gesetzesvorhaben die Ziele der Notfallreform. So sorgt die Krankenkassenreform, mit der die Finanzlücke der Kassen verringert werden soll, für neue Lücken bei der ambulanten Versorgung. Manche Ärzt:innen, die dann weniger verdienen würden, haben bereits angekündigt, künftig weder neue Pa­ti­en­t:in­nen aufzunehmen, noch zusätzliche Dienste anzubieten. Salopp formuliert: vorn aufgebaut, hinten wieder eingerissen.

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