Reichtum und Davos: Auch der Kapitalismus ist nicht ewig

Das Weltwirtschaftsforum Davos lädt dazu ein, sich über maßlosen Reichtum aufzuregen. Nur sind die Zeiten für „smash capitalism“ gerade nicht so gut.

D as Weltwirtschaftsforum von Davos (WEF) ist immer ein guter Anlass, sich über maßlosen Reichtum aufzuregen – wie es die Organisation Oxfam mit ihrem neuen Bericht über die Milliardäre gerade wieder tut. Tatsächlich gehen obszöner Reichtum – Tesla-Chef Elon Musk beansprucht alleine einen Bonus von 56 Milliarden Dollar – neuerdings mit seinen politischen Angriffen auf die Demokratie einher. Die WEF-Partner Jeff Bezos, Amazon, Mark Zuckerberg, Meta-Facebook-Instagram, und andere rangieren in derselben Liga, wenn sie es auch nicht so toll treiben wie Musk.

So ist die Forderung richtig, sehr große Vermögen höher zu besteuern und die Mittel zugunsten der Bevölkerungsmehrheit umzuverteilen. Allerdings sind die Zeiten dafür nicht die besten. Die internationale Mindestgewinnsteuer für transnationale Unternehmen wurde nach jahrelangem Ringen eingeführt, doch sie erbringt kaum Einnahmen. In Deutschland existiert nicht mal eine parlamentarische Mehrheit für eine kleine Vermögensteuer.

Weltweit ebenso wenig, wenngleich die Vereinten Nationen auf Initiative Brasiliens über eine Zwei-Prozent-Vermögensteuer für Milliardäre und Mulitmillionäre diskutieren. Prognose: Das dauert 20 Jahre, wenn es überhaupt kommt. Die Befürworter sind zu schwach, die Gegner zu stark.

Grundsätzlich aber sind große Gerechtigkeitssprünge möglich. Im frühen 20. Jahrhundert wurde in den USA der Rockefeller-Standard Oil-Konzern zerschlagen. Zwischen dem 2. Weltkrieg und den 1970er Jahren erstarkten die europäischen Sozialstaaten. Die Einkommens- und Vermögensverteilung war damals ausgeglichener, wenngleich die Vermögen der Reichen trotzdem schneller wuchsen als die der Mittel- und Unterschicht.

Wann es wieder zu einer solchen Situation kommt, weiß man nicht. Parolen wie „Eat the Rich“ oder „Smash Capitalism“ sind momentan im besten Fall romantisch, im schlechteren gefährlich, weil sie den Blick auf die Wirklichkeit verstellen. Andererseits ist nichts ewig, auch der Kapitalismus steckt in ständiger Transformation. So kann es gut sein, dass die Leute in 100 Jahren zurückblicken und sagen: So um 2070 veränderte sich die Wirtschaftsordnung so grundlegend, dass wir jetzt etwas anderes haben.

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