
„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“: Ein Wunsch, der eindeutig nicht der Bedürfnislage des Riesenotters entspricht. Denn bei dem größten Verwandten unseres einheimischen Fischotters, rund zwei Meter lang, über 30 Kilogramm schwer, läuft es eher andersherum. Nass werden die höchst geselligen, in Gruppen von bis zu zehn im Wasser von Flüssen, Seen und Überschwemmungsgebieten herumotternden Tiere sowieso dauernd. Doch eindrucksvolle 70.000 Haare pro Quadratzentimeter und eine im Pelz eingeschlossene Luftschicht verhindern trotzdem, dass der Otter bis auf die Haut nass wird.
Der Superpelz erlaubt ihm, neben dem Ruderschwanz und Schwimmhäuten an den Füßen, das Dauerbaden. Leider haben seine Vorzüge auch dazu geführt, dass die Art in der Vergangenheit intensiv bejagt wurde und daher heute in weiten Teilen seines ehemals über das gesamte tropische Südamerika östlich der Anden von Venezuela bis Argentinien reichenden Verbreitungsgebiets ausgerottet ist.
Heute hat der Riesenotter allerdings noch riesigere Probleme. Abwässer von Minen vergiften seine Flüsse, in denen er als Top-Prädator Fische jagt, weshalb er in seiner Heimat auch „Flusswolf“ genannt wird. Und wie sein Namensvetter bei uns hat auch der Riesenotter ein Problem mit Regierungen, die nicht viel am Hut haben mit Artenschutz: Aller vorherigen Schutzversprechen Brasiliens zum Trotz ist die Entwaldung in der Amazonasregion unter der rechtspopulistischen Bolsonaro-Regierung, die bis 2023 an der Macht war, auf neue Rekordwerte hochgeschnellt und hat die Restlebensräume der Marderartigen noch weiter fragmentiert.
Der Klimawandel und die in seinem Gefolge häufigeren Dürren tun ein Übriges. Gerade in diesem Zusammenhang erweisen sich vor allem die zahlreichen Staudammprojekte in der Region als gefährliches Hindernis. Riesenotter bewegen sich eigentlich mit dem Pegelstand der Flüsse weit ins Landesinnere hinein und machen Wasserwege zu Wanderrouten – sofern diese nicht mit Sperren wie Wasserkraftwerken verbarrikadiert werden. Da ist dann kein Durchkommen mehr selbst für diese an Land wie Wasser äußerst gewandten, kräftigen Tiere.
International unter Schutz gestellt
Deshalb wurden die Otter nun bei der UNO-Konferenz COP15 in Brasilien, die am Wochenende zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten getagt hat, in das internationale Vertragswerk aufgenommen. Das heißt konkret: Die Unterzeichnerstaaten sind zum Otterschutz auf eigenem Terrain verpflichtet – aber auch dazu, international zusammenzuarbeiten, um ihre Wanderrouten über alle Grenzen hinweg zu sichern.
Das ist auch dringend nötig, wenn die zersplitterten Ottervorkommen wieder zu einer gesunden, im Austausch stehenden Gesamtpopulation zusammenwachsen sollen. In Argentinien etwa gab es bereits seit Jahrzehnten keine Riesenotter mehr. Im vergangenen Jahr aber wurden, unter der Federführung des Schweriner Zoos, in menschlicher Obhut gezüchtete Tiere erstmals wieder erfolgreich dort ausgewildert – ein historischer Erfolg für den Artenschutz. Jetzt müssen sie sich nur noch ordentlich vermehren und wieder Anschluss finden an ihre Artgenossen etwa im brasilianischen Pantanal. Die neue internationale Unterschutzstellung unter der Ägide der UNO wird hoffentlich dabei helfen.
Die Unterzeichnerstaaten sind nun zum Otterschutz auf eigenem Terrain verpflichtet – aber auch dazu, international zusammenzuarbeiten
Der Otter ist deshalb auch ein schönes Beispiel wider den aktuellen politischen Trend: Vorwärts geht es eben letztlich nur mit internationaler Zusammenarbeit – und Migration über alle Grenzen hinweg. Möge der Riesenotter voranschwimmen!






