Schlechte Laune am Montag: Der Montagsblues und die Gen Z

E s gibt Menschen, die freuen sich am Sonntagabend schon auf den Montag. Weil sie an dem Tag, sagen wir, Fußballtraining haben und manchmal sogar ein richtiges Mannschaftsspiel bestreiten dürfen. So wie die Spieler vom BSC Humania 07 oder die Kol­le­g:in­nen vom taz Panter FC. Letztere verlieren eigentlich fast immer, aber sie starten jedes Mal mit neuem Elan und großer Freude in die nächste Niederlage. Das ist doch mal ein Einsatz! Und Unerschrockenheit.

Eigenschaften, die eigentlich allen Menschen innewohnen sollten. Aber – man ahnt es – das ist nicht so. Im Gegenteil, die meisten Menschen in diesem Land, ach was, ganz sicher auf dem gesamten Planeten, lieben es eher gemütlich. Versteht man ja auch. So auf dem Sofa, mit ausgestreckten Beinen und dem Laptop auf dem Schoß, in dem „Ripley“ läuft, die Netflix-Serie der vergangenen Monate, die man schon zum vierten Mal schaut, ist doch das Beste, was einer am Sonntag passieren kann.

Keine Ahnung, was Gen-Z-Youngster kurz vor Beginn einer neuen Woche am liebsten machen: Siedler von Catan spielen, Influencer-Gurus auf Insta folgen, online shoppen. Auf jeden Fall aber „chillen sie zusammen, reden, feiern, diskutieren ihre Probleme“, wie die Carsten Kreativagentur in Frankfurt am Main herausgefunden hat. Und das eher digital als in echt. Denn das „persönliche Treffen mit Freun­d:in­nen nimmt generell ab“.

Was wäre da nicht schöner, als sich am Montagmorgen in der Büro-Kaffeeküche abzuklatschen: „Und? Geiles Wochenende gehabt?“ Aber die Gen Z will sich nicht abklatschen, sie will offenbar auch nicht mit echten Menschen zusammenkommen, schon gar nicht zu Beginn der Woche. Die Hälfte der Gen Z fürchtet nämlich nichts mehr als den Montagmorgen. Das hat gerade eine österreichische Studie ergeben. Und offenbar ist die Furcht der Gen Z vor dem Montag so groß wie die Angst der Boomer vor dem unangekündigten Besuch der Schwiegermutter.

Man weiß nur nicht, was folgenreicher ist: der Fluch der Familie oder der des Arbeit­gebers. In jedem Fall sollten junge Kol­le­g:in­nen darauf achtgeben, dass Ihr montagsmüder Kopf wenigstens geräuschlos auf die Tastatur knallt. Der Arbeitsmarkt jedenfalls ist nicht mehr so leergefegt wie noch vor ein paar Jahren – und gesucht werden Kol­le­g:innen, die mitmachen. Auch am Montag.

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