Schwere Kämpfe in Pakistan: Aufständische Separatisten greifen in Belutschistan an

Bei Kämpfen mit Aufständischen in der pakistanischen Südwestprovinz Belutschistan sind nach Regierungsangaben seit Freitag 210 Menschen getötet worden. Separatistische Rebellen hatten in der an Iran und Afghanistan grenzenden Provinz in mehr als zehn verschiedenen Orten staatliche Einrichtungen und Posten der Sicherheitskräfte mit Schusswaffen und Selbstmordattentaten angegriffen. Dabei wurden auch 30 Gefängnisinsassen befreit.

Am Wochenende bekannte sich die Befreiungsarmee Belutschistan (BLA) zu den Angriffen unter anderem in der Provinzhauptstadt Quetta sowie der Hafenstadt Gwadar nahe der iranischen Grenze. Gwadar ist Endpunkt des China-Pakistan Wirtschaftskorridors (CPEC), verbindet das Arabische Meer mit der chinesischen Provinz Xinjiang und ist für die Volksrepublik von großer strategischer Bedeutung.

Nach Regierungsangaben wurden insgesamt 177 Terroristen getötet, zudem starben 18 Zivilisten, einschließlich Kindern, sowie 15 Sicherheitskräfte. Laut AFP nannte ein hochrangiger Armeevertreter in Islamabad die Angriffe „koordiniert, aber schlecht ausgeführt“. Deshalb seien sie auch „gescheitert“.

Die Zeitung The Express Tribune meldet mit Verweis auf Regierungsangeben, dass in der Nacht zu Montag die letzten 22 der verbliebenen Angreifer getötet wurden. Aus Regierungskreisen hatte es zuvor geheißen, das Militär habe schon vorab von den Angriffen erfahren und sich deshalb vorbereiten können.

Rebellen wollen 200 Regierungskräfte getötet haben

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif machte wie schon in früheren ähnlichen Fällen den benachbarten Erzfeind Indien für die Angriffe verantwortlich, legte aber keinerlei Beweise vor. Die Regierung in Delhi wies die Vorwürfe umgehend zurück. Pakistan wolle nur von „eigenen internen Versäumnissen“ ablenken.

Die BLA, in deren Rängen auch Frauen kämpfen, erklärte laut der Webseite des indischen Fernsehsenders NDTV, sie habe ihrerseits 200 Sicherheitskräfte getötet und selbst 18 Verluste erlitten. Die jeweiligen Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Ein von den Rebellen entführter Lokalpolitiker wurde nach deren Angaben wieder freigelassen. Die Regierung wirft den Rebellen vor, Geiseln als menschliche Schutzschilde eingesetzt zu haben.

Die BLA wurde im Jahr 2000 gegründet und begann 2004 den bewaffneten Kampf mit dem Ziel der Unabhängigkeit der Region. In den USA und anderen westlichen Ländern ist sie als Terrororganisation gelistet. Die Sicherheitsbehörden schätzen die BLA als größte separatistische Rebellengruppe Belutschistans mit bis zu 3.000 Kämpfern ein. Pakistans Sicherheitskräfte gehen in Belutschistan brutal gegen Nationalisten vor. Das Verschwindenlassen und das Töten auch friedlicher Aktivisten sind verbreitet.

Belutschistan ist etwa so groß wie Deutschland und Pakistans größte, aber auch ärmste Provinz. Sie ist mit 12,5 Millionen Einwohnern vergleichsweise dünn besiedelt und zugleich sehr rohstoffreich. Einige lokale Politiker und Führer der Belutschen-Stämme beschuldigen Staat und Armee, der Volksgruppe die ihnen zustehenden Anteile an heimischen Bodenschätzen vorzuenthalten.

Umstrittenes chinesisches Großprojekt

Die Einrichtung des Wirtschaftskorridors CPEC ist ein Ansatz der Regierung zur Befriedung und Entwicklung Belutschistans wie des ganzen Landes. Das chinesische Megaprojekt im Umfang von 62 Milliarden US-Dollar begann 2013 und ist Teil von Pekings neuer Seidenstraßeninitiative. CPEC besteht aus einem Netz von Schnellstraßen, Eisenbahnlinien sowie Industriezonen, Kraftwerken, Dämmen und Glasfaserkabeltrassen. Bereits mehrfach waren Arbeiter und Ingenieure aus China oder chinesische Einrichtungen das Ziel separatistischer Angriffe.

Pakistans Regierung schickt seitdem noch mehr Soldaten und Paramilitärs nach Belutschistan. Im März 2025 hatte die BLA einen Zug gestoppt und rund 450 Passagiere als Geiseln genommen. Bei ihrer Befreiung wurden nach Armeeangaben 58 Menschen getötet, darunter 21 Zivilisten.

  • informationsspiegel

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