Sexualisierter Blick auf Sportlerinnen: Die Sache mit dem Blut

Berlin taz | Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen ist in vollem Gange. Doch während Fans und Medien sich beim Männerfußball auf Spielstrategien, Taktik und Tore konzentrieren, scheint in den sozialen Medien oft ein ganz anderes Bewertungssystem für Frauen zu gelten.

Eines, das weniger mit sportlicher Leistung als mit gesellschaftlichen Erwartungen zu tun hat. Anstatt über die Fußfertigkeiten am Ball zu sprechen, wird das Aussehen der Spielerinnen thematisiert. Da ein Gramm zu viel, dort ein zu ausgeprägter Muskel, zu viel oder zu wenig Make-up im Gesicht. Kommentare, die sich Sportlerinnen wie Alisha Lehmann auf Instagram häufiger anhören müssen.

Sportlerinnen befinden sich immer noch im Fadenkreuz des „male gaze“, der sie in erster Linie als Objekt wahrnimmt und nicht als Athletinnen. Diese Bodyshaming-Doppelmoral und Objektivierung zeigt sich besonders im direkten Vergleich mit den männlichen Kollegen. Während bei diesen allerhöchstens die neue Frisur zum Thema gemacht wird, wird bei den Frauen jede Falte oder Anzeichen von Cellulite ganz genau unter die Lupe genommen.

Nichts scheint tabu zu sein, außer die eigentliche Frage, wie gut sie gerade auf dem Platz performen. Und wäre das nicht schon genug, rückt auch noch ein weiteres Thema in den Fokus: Körperflüssigkeiten. Besonders stigmatisiert wird dabei die Menstruation.

Doch Frauen im Sport wollen sich nicht unterkriegen lassen. Ein Paradebeispiel für den offenen Umgang mit diesem „Tabu“ ist die Influencerin und Marathonläuferin Lenja Cupan. Mitten in einer Trainingseinheit für einen Halbmarathon bekam sie ihre Periode. Statt sie zu verstecken oder zu entschuldigen, erklärt sie, dass dies eben Teil des Frau-Seins sei, auch während des Sports. Die Reaktionen im Netz? Zwischen Empowerment und Empörung. Denn obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung menstruiert, scheint Blut auf einer Laufhose für viele schwer zu verkraften zu sein.

Auch die österreichische Langstreckenläuferin Julia Mayer und Teilnehmerin der Olympischen Spiele 2024 in Paris macht auf das Thema Periode im Leistungssport aufmerksam. Sie erzählt von sportlichen Höchstleistungen, die sie erbringt, trotz ihrer Periode.

Doch warum ist die Menstruation so ein Tabu? Weil der weibliche Körper immer noch kontrolliert, bewertet und reguliert wird. Sichtbare Menstruation widerspricht der Illusion eines makellosen Körpers und provoziert damit das patriarchale Weltbild, in dem Frauen zwar sexy, aber bitte nicht körperlich sein sollen.

Die Fußball-Europameisterschaft der Frauen bietet eine Bühne, nicht nur für sportliche Höchstleistungen, sondern auch für einen längst überfälligen gesellschaftlichen Diskurs. Solange Spielerinnen sich mehr mit Kommentaren über ihre Körperbehaarung, ihr Gewicht oder ihre Monatsblutung auseinandersetzen müssen als mit ihrer Taktik auf dem Feld, bleibt echte Gleichberechtigung nur eine Illusion. Es wird Zeit, dass wir Frauen nicht mehr dafür beschämen, dass sie Körper haben und diese auch nutzen. Schwitzen, bluten, kämpfen, das ist nicht eklig. Das ist Sport.

Dieser Text ist im Rahmen eines Workshops der taz Panter Stiftung für Nachwuchsjournalistinnen im Sport entstanden. Mehr zum Thema „Körperflüssigkeitenshaming“ gibt es in der Folge „Kotzen, Kacken, Körperkrisen – Eklige Fragen an den Profisport“ des Podcasts Freie Rede der taz Panter Stiftung.

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