Die Gewalt im Westjordanland nimmt weiter zu. Sechs Palästinenser sind seit Beginn des US-israelischen Kriegs mit Iran getötet worden – die meisten von ihnen durch Schüsse, abgefeuert von israelischen Zivilisten.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben radikale Siedler das Dorf Abu Falah, nordöstlich von Ramallah, gestürmt. Laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium sind zwei Dorfbewohner im Alter von 24 und 57 dabei erschossen worden. Ein dritter Mann ist laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa an den Folgen von Tränengas gestorben, das israelische Streitkräfte einsetzten, um die Menschenansammlung aufzulösen. Fünf weitere Menschen wurden verletzt.
Nach Angaben der Agentur, die sich auf Augenzeugen bezieht, erschossen die Siedler die zwei Männer, als diese sich ihnen entgegengestellten. Israels Militär erklärt auf taz-Anfrage, eine behördliche Untersuchung sei eingeleitet worden.
Des Weiteren wurde in Wadi al-Rakhim am Samstag ein Mann erschossen und sein Bruder schwer verletzt, als Siedler ihre Schafe auf palästinensischem Land weiden ließen und sie laut Augenzeugen in die Häuser der Dorfbewohner*innen treiben wollten. Als die Einwohner*innen reagierten, schlugen die Siedler sie mit Stöcken und eröffneten das Feuer. Mehrere Menschen wurden verletzt.
Israelische Soldat*innen und Siedler*innen werden selten wegen Angriffen auf Palästinenser*innen verurteilt
Laut israelischem Militär tötete ein Reservist den Mann. Der Soldat sei nach Meldungen über eine Konfrontation ins Dorf gekommen. Die Untersuchung laufe noch.
Bisher keine Berichte über Festnahmen
Zwei weitere Männer waren bereits am vergangenen Montag getötet worden, als Siedler das Dorf Qaryut, südlich von Nablus angegriffen. Laut Medienberichten habe es einen Streit um Land gegeben, die Israelis sollen den Brüdern in Kopf und Bauch geschossen haben.
Das israelische Militär schreibt, die Streitkräfte verurteilten die Gewalt scharf. Kommandant Avi Bluth sagte nach dem Angriff in Abu Falah: „Dies ist ein inakzeptabler Vorfall. Es wird null Toleranz geben gegenüber Zivilisten, die das Gesetz in die eigenen Hände nehmen. Diese Handlungen repräsentieren nicht den Staat Israel.“ Berichte über Festnahmen gab es bislang jedoch nicht.
Im Schatten des Irankriegs nimmt die Gewalt im Westjordanland zu. Die israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din zählte 50 Fälle von Gewalt gegen Palästinenser*innen allein in den ersten vier Kriegstagen.
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Nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 startete das israelische Militär eine Offensive in Gaza, 2024 folgte der Vorstoß gegen die Hisbollah im Libanon. Der Konflikt um die Region Palästina begann Anfang des 20. Jahrhunderts.
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Bereits seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 haben Siedlerangriffe enorm zugenommen. Die Regierung hat tausende Gewehre unter Zivilist*innen verteilt und Siedler*innen für die Reservisteneinheiten rekrutiert. Dies verwandelt sie laut Yesh Din in „einen inoffiziellen Militärzweig in einem Gebiet, in dem sie im dauerhaften Landkonflikt mit den palästinensischen Einheimischen leben“.
Die israelische NGO B’teselem findet deutlichere Worte: „Unter der Deckung des israelisch-amerikanischen Angriffs auf Iran“ bringe die Zusammenarbeit zwischen Armee und Milizen israelischer Siedler die ethnische Säuberung des Westjordanlands voran. Die Armee hatte bereits in der Vergangenheit derlei Anschuldigungen zurückgewiesen. Indes werden sowohl israelische Soldat*innen als auch Siedler*innen selten wegen Verbrechen gegen Palästinenser*innen verurteilt.






