TikTok-Trend „Gen Z wrote the script“: Was passiert, wenn Boomer Gen Z-Slang imitieren?

Hey Besties, ich zeige euch heute unsere Buchhandlung. Schauen wir mal, was wird“. So begrüßt Günther, ein weißhaariger Mann in einem Tiktok-Video vor einer Buchfiliale, seine Zuschauer.

Das Video trägt den Titel „Wenn der Gen Z Azubi den Text für die Filial-Tour schreibt …“ und ist Teil eines viralen Internettrends. „Gen Z wrote the script“, wird er im Englischen genannt, die Gen Z hat das Skript geschrieben. Dabei spricht meist eine ältere Person, die nicht zur Generation Z gehört, und nutzt dabei Jugendsprache – eben so, als hätte ein junger Mitarbeiter oder eine junge Mitarbeiterin das Drehbuch verfasst.

Und so ist der Fakt, dass die „Dark Romance“-Abteilung immer größer wird, für ihn „sus“ (suspekt), Taschen mit Buchaufdruck sind „slay“ (toll, schön) und die Romanabteilung ist „very mindful, very demure“ (sehr achtsam, sehr gesittet).

Ein Fast-Rentner mit dem Sprachgebrauch einer 20-jährigen mit Handysucht. Alles etwas übertrieben also. Aber es kommt an: die Buchhandlungskette Hugendubel generierte mit dem Video über 63.000 Likes. Auf den Trend aufgesprungen sind mittlerweile viele internationale, aber auch deutsche Unternehmen, wie Dr. Oetker, Duolingo oder McDonald’s.

Jugendwörter und Internet­slang

Ein britisches Bed and Breakfast erreichte mit seiner Version des Trends über zwei Millionen Likes. Das Prinzip ist dasselbe wie bei Günther: Eine ältere Frau führt durch die Zimmer des Hotels, reiht Jugendwörter und Internet­slang aneinander.

„The medieval dining room has so much rizz“, kommentiert sie, das mittelalterliche Esszimmer hat so viel Charme. Die Userinnen und User der Plattform sind begeistert, „absolut brillant“ schreiben sie, „jetzt möchte ich dort übernachten.“

Der ursprünglich wahrscheinlich aus England stammende Trend zeigt auf humorvolle und herzige Art und Weise die Generationenunterschiede zwischen Boomern und Gen Z, die jetzt in der Arbeitswelt aufeinandertreffen.

Die junge, mit dem Internet aufgewachsene 2000er-Generation kann mit den langen Werbespots der Boomer nichts anfangen – genauso, wie die Älteren das Denglisch der Jugend nicht verstehen. Die Clips leben vom Zusammenspiel der Gegensätze.

Den Beweis dafür, dass ein Trend allerdings nicht immer funktioniert, lieferte vor wenigen Tagen Christian Dürr von der FDP. „Willkommen im Bundestag, wo der,real tea’ stattfindet“, begrüßt er die Zuschauer und Zuschauerinnen auf dem Tiktok-Account der Partei. Über Christian Lindner sagt er: „Seine Reden, purer Slay!“, und lobt damit den Finanzminister.

Die Reaktion auf den 75-Sekunden Clip fiel allerdings anders aus, als wahrscheinlich erwartet: „Weiß nicht, muss das?“, kommentiert ein User. Ein anderer fragt: „Kommen Sie sich nicht blöd vor?“ Auch aus den eigenen Reihen hagelt es Kritik: „Ich finde das Video peinlich. Ich finde es mega peinlich“, gibt Franziska Brandmann, die Vorsitzende der Jungen Liberalen, am Donnerstagabend in der Talkshow „Markus Lanz“ zu. „He did not eat“, wie Tiktok urteilen würde.

  • informationsspiegel

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