
Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden. Das verdankt sie nicht Friedrich Merz, der erneut nicht wie ein Antreiber, sondern ein Getriebener wirkte.
E s scheint festzustehen, Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden. Auch die CDU stellt sich nach übereinstimmenden Medienberichten hinter sie. Die offizielle Bestätigung steht noch aus, aber zuletzt lief alles auf die bayerische Landtagspräsidentin zu. Es gab in den vergangenen Tagen kaum noch eine Politikerin in Union und SPD, die sie nicht für eine „hervorragende“ Kandidatin hielten, auch die Grünen funkten Zustimmung.
Alle warten nur noch darauf, was Friedrich Merz sagt. Der Kanzler und CDU-Vorsitzende will sich nach bisheriger Planung am Montag äußern, nach einer Sitzung des Präsidiums. Die CDU-Führungsebene, darunter auch zwei Frauen, deren Namen ebenfalls im Laufe der Debatte als mögliche Kandidatinnen aufploppten, trifft sich bereits am Sonntagabend zum Abendessen. Der Austausch darüber, wen die CDU, die formal das Vorschlagsrecht hat, als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier aufstellt, dürfte kurz werden.
Interessanter ist die Erörterung, warum Merz auch dieser Findungsprozess mal wieder komplett entglitten ist und er sich von Markus Söder so vorführen ließ. Der CSU-Chef hatte Aigner bereits im April zum ersten Mal vorgeschlagen. Der Kanzler hielt sich lange bedeckt, legte sich zuletzt lediglich darauf fest, dass eine Frau Bundespräsidentin werden soll. Wieso nutzte Merz nicht den CSU-Parteitag Ende Oktober, um das Thema abzuräumen? Stattdessen hieß es kurz zuvor, die CDU werde einen eigenen Vorschlag machen und vor zwei Wochen streute sein Umfeld noch den Namen der hessischen Fraktionsvorsitzenden Ines Claus. Ein Testballon oder eine Trotzreaktion?
Jedenfalls keine konsistente Strategie. Der CDU-Vorsitzende hat erneut keine glückliche Figur gemacht und dokumentiert, dass Personalplanung nicht sein Ding ist. Er, der sich selbst gern als Antreiber sieht, wirkte wie ein Getriebener. Aber egal, am Ende ist es kein Zeichen von Schwäche, sich hinter eine starke Frau zu stellen.
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