Unrealistisches 1,5-Grad-Ziel: Krieg schlägt Klimaschutz

Der Klimaschutz ist in den Hintergrund gerückt. Das Weiter-So bei den Emissionen ist eine fatale Entwicklung.

D er große diplomatische Fortschritt, den das Klimaabkommen von Paris 2015 brachte, ist das sogenannte Restbudget: Weil sich die Staaten der Welt verpflichteten, „Anstrengungen zu unternehmen“, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, konnte die Wissenschaft berechnen, wie viele Treibhausgase die Menschheit noch produzieren darf.

Der Zusammenhang zwischen der Treib­haus­gas­konzentration in der Atmosphäre und dem Temperaturanstieg ist eindeutig, beides ist messbar und vorherbestimmt: In drei Jahren wird die Menschheit so viele Treibhausgase produziert haben, dass 1,5 Grad überschritten werden.

Wenn Krieg herrscht, ist es nachvollziehbar, dass Klimaschutz in den Hintergrund tritt. Verständlich ist es nicht. Denn die Wissenschaft sagt uns, dass die Folgen der Erderhitzung schlimmer sein werden als die Kriege, die wir kennen. Eine Berechnung des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen Nicolas Stern ergab schon vor 20 Jahren, dass die Schäden schlimmer sein werden als die der beiden Weltkriege zusammen – und zwar jedes Jahr. Trotzdem steigen die Emissionen jedes Jahr weiter an. Längst ist klar, dass der Meeresspiegel um einen Meter steigen wird. Trotzdem gibt es bei den Menschen an der Küste keinen Aufstand gegen die Untätigkeit der Politik.

Ein Vorteil des Restbudgets ist, dass die Wissenschaft dieses auch für jeden einzelnen Staat und seine Bürger verifizieren konnte. Demnach wurde das der Deutschen bereits im März 2024 aufgebraucht. Der Expertenrat für Klimafragen hat das der Bundesregierung auch mitgeteilt: Für 1,5 Grad dürften die Deutschen keinerlei Treib­haus­gase mehr produzieren.

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Trotzdem gibt es immer noch kein Verbot von Gasheizungen, von Inlandsflügen, keine Fleischsteuer, keine Anreize, ohne Beton zu bauen; es gibt noch nicht einmal ein Tempolimit. Stattdessen will die Bundesregierung neue Gaskraftwerke bauen lassen, die 30 Jahre lang Treibhausgase produzieren müssen, bis sie sich amortisieren.

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