Unter Syriens neuer Regierung: Aus für Moskaus Mittelmeerhafen

Damaskus taz | Nach einem halben Jahrhundert könnte nun die russische Anwesenheit an der syrischen Küste zu Ende gehen. Am Montag kündigte die neue syrische Regierung unter Ahmed al-Scharaa an, den Pachtvertrag mit dem Unternehmen Stroytransgaz im Hafen der Küstenstadt Tartus zu beenden. Seit 1977 unterhält die erst sowjetische und dann russische Marine dort einen Stützpunkt, den Hafen nutzte sie seit 1971. Vor wenigen Jahren hatte Syrien einen Vertrag unterschrieben, der Russland die Nutzung der Basis für weitere 49 Jahre erlaubte und russische Investitionen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar für die Modernisierung und den Ausbau des Hafens vorsah. Der Hafen von Tartus war für die russischen Seestreitkräfte die einzige Basis im Mittelmeer und ein wichtiger Knotenpunkt, um in Nordafrika zu agieren und Marineschiffe in der Region zu versorgen und reparieren.

Unter der Familie al-Assad, die das Land 54 Jahre lang autoritär regierte, hatten sich die Beziehungen Syriens zu Russland intensiviert. Auch dank der militärischen Unterstützung aus Moskau konnte sich das syrische Regime in den Jahren des Bürgerkriegs an der Macht halten.

Nach dem Sturz al-Assads Anfang Dezember durch eine Rebellenkoalition, angeführt von der islamistischen Gruppe Hai’at Tahrir asch-Scham unter al-Scharaa, verbreiteten sich in der Hafenstadt schnell Gerüchte über einen bevorstehenden russischen Abzug. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte Assads Familie nach dem Machtwechsel Asyl gewährt. Mitte Dezember verlegte Russland dann ohne offizielle Ankündigung mehrere Kriegsschiffe, die vor Tartus vor Anker lagen, an unbekannte Orte. Die nun erfolgte Vertragskündigung kam daher nicht überraschend.

Ukrainischen Medienberichten zufolge soll Russland bereits Anfang Januar teure, möglicherweise militärische Ausstattung an einem Kai in Tartus gesammelt haben. Die neue syrische Verwaltung soll jedoch ein russisches Frachtschiff an der Einreise gehindert haben. Am Dienstag zirkulierten dann mehrere Meldungen in Onlinemedien und -netzwerken, das Schiff habe nun in Tartus angelegt. Riad Judy, Direktor der Hafenbehörde in Tartus, erklärte nun der Zeitung Al-Watan, dass „alle Einkünfte aus den Hafengeschäften ab jetzt den Interessen des syrischen Staates dienen werden“.

Was das für Russland auf geopolitischer Ebene bedeutet, ist noch unklar. Sicher ist, dass der Hafen von Tartus ein wichtiger Stützpunkt für die russische Marine im Mittelmeer war und sein Verlust ein harter Schlag für Putins Seestreitkräfte sein könnte. Noch im Dezember hatte Russlands Vize-Außenminister Michail Bogdanow dem US-Medium Bloomberg gesagt, dass Russland seine zwei Marine- und Luftbasen in Syrien behalten wolle.

Russland unterhält in Syrien außerdem einen Luftstützpunkt in Latakia, die Khmeimim-Luftbasis. Von dort aus flog es Luftangriffe auf Stellungen von Terrorgruppen wie dem „Islamischen Staat“ sowie oppositionellen Rebellen während des syrischen Bürgerkriegs. Noch ist die Basis in Betrieb, doch die Zukunft von Russlands Anwesenheit in Syrien ist nun noch ungewisser. Es sei klar gewesen, dass Moskau irgendwann die Vorteile, die es unter al-Assad genoss, verlieren, sagt der Geopolitik- und Nahost-Experte Amer al-Sabaileh. „Die Sy­re­r*in­nen wissen, dass der Weg zur Aufhebung der Sanktionen durch die USA und den Westen verläuft. Aber Russland wird weiterhin versuchen, politisch und diplomatisch anwesend zu sein, auch um einen Nutzen beim Wiederaufbau Syriens zu haben.“

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