Versorgung mit Erdgas: Gasspeicher sind für die Winterzeit ungewöhnlich leer

Der Füllstand der deutschen Erdgasspeicher ist so niedrig, wie seit Langem nicht um diese Jahreszeit. Am Montag waren die Speicher laut Zahlen der Branche nur noch zu 42,3 Prozent gefüllt – gegenüber rund 65 Prozent zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Gleichwohl gibt die Bundesnetzagentur in ihrem aktuellen Lagebericht weiterhin Entwarnung: „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet.“ Man schätze „die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein“. Schließlich habe Deutschland unterschiedliche Importmöglichkeiten, sowohl über Pipelines, insbesondere aus Norwegen, als auch über Flüssigerdgas-Terminals (LNG-Terminals).

Ein anhaltend kalter Winter könnte die Situation allerdings schnell ändern. In den jüngsten kalten Januartagen sank der Füllstand der deutschen Gasspeicher täglich um 0,6 bis 1,3 Prozentpunkte, in der zweiten Januarwoche insgesamt um 7,6 Prozentpunkte.

Nicht nur der temperaturbedingt erhöhte Gasverbrauch von Industrie, Gewerbe und Haushalten schlug hier zu Buche, sondern auch die hohe Stromnachfrage durch elektrisch betriebene Heizsysteme: In der zweiten Januarwoche wurde in Deutschland so viel Strom verbraucht, wie seit zwei Jahren nicht innerhalb einer Woche. Da an den betreffenden Tagen Sonne und Windkraft kaum einen Beitrag zur Versorgung leisteten, waren die Gaskraftwerke gefragt wie selten zuvor: Mit mehr als 2,3 Milliarden Kilowattstunden erreichten sie in der zweiten Januarwoche die höchste Wochenproduktion seit Jahrzehnten.

Im Fall eines extrem kalten Winters reicht das Gas nicht

Die Betreiber der Erdgasspeicher (die in der Regel nicht selbst Gas einspeichern, sondern nur als Infrastrukturdienstleister für die Gashändler dienen), hatten bereits im vergangenen November darauf hingewiesen, dass Deutschland „mit einem unerwartet niedrigen Speicherfüllstand in die Heizperiode“ starte. Die Speicherbefüllung reiche „für den Fall eines extrem kalten Winters trotz der neuen LNG-Importkapazitäten nicht aus“, schrieb die Initiative Energien Speichern.

Nach Zahlen der Bundesnetzagentur gaben die Marktakteure sich im vergangenen Sommer nämlich mit einem maximalen Füllstand von nur 77 Prozent zufrieden, nachdem sie im Sommer 2024 die Speicher noch fast komplett befüllt hatten.

Die laxe Füllpraxis hat die Bundesregierung erst ermöglicht, indem sie im vergangenen Jahr mit dem Ziel der Kostenreduzierung im Gassektor die vorgeschriebenen Mindestfüllstände absenkte. Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck noch die „Verordnung zur Anpassung der Füllstandsvorgaben für Gasspeicheranlagen“ erlassen.

Statt wie bisher zu 90 Prozent müssen die meisten Speicher inzwischen am 1. November nur noch zu 80 Prozent befüllt sein, einige besonders definierte Speicher sogar nur zu 45 Prozent. Diese Freiheiten nutzte die Gaswirtschaft im vergangenen Sommer gerne aus, weil die Erdgaspreise am Weltmarkt im vergangenen Sommer das Einspeichern nicht lukrativ erschienen ließen.

Abkehr von Flüssiggas aus den USA ist nicht leicht

So sind aktuell die Gasspeicher, die in der Summe gut 250 Terawattstunden fassen könnten, nur noch mit 106 Terawattstunden befüllt. Der deutsche Jahresverbrauch lag 2025 bei 864 Terawattstunden, knapp 2,2 Prozent höher als im Vorjahr. In den Wintermonaten liegt der Tagesbedarf im Mittel bei rund vier Terawattstunden, sodass das aktuell gespeicherte Gas ohne Nachlieferungen nach gut drei Wochen aufgebraucht wäre.

Nachdem Deutschland seit Ende August 2022 kein Erdgas mehr aus Russland bezieht, tragen inzwischen LNG-Importe zur Deckung des deutschen Bedarfs bei. Laut Bundesnetzagentur wurden im vergangenen Jahr 106 Terawattstunden Erdgas über die deutschen LNG-Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Lubmin und Mukran nach Deutschland importiert. Damit hatte LNG einen Anteil von 10,3 Prozent an den gesamten deutschen Gasimporten.

Angesichts der US-Besitzansprüche auf Grönland und der Drohung von US-Präsident Donald Trump, Zölle gegen europäische Länder zu erheben, sind nun die Energieimporte aus den USA in die Diskussion geraten. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, in diesem Konflikt sollte die EU auch deren Stopp in Betracht ziehen, denn diese Abhängigkeit sei „wirtschaftspolitisch und energiepolitisch gefährlich“.

Im vergangenen Sommer hatte die EU zugesagt, bis zum Ende von Trumps Amtszeit US-Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar zu kaufen, darunter LNG. „Hier sollte man aus meiner Sicht genau diese Entscheidung überdenken“, sagte Dröge. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn mehr als 94 Prozent des an deutschen LNG-Terminals eingespeisten Gases kamen im vergangenen Jahr aus den USA, wie Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft zeigen. Nur ein bescheidener Rest kam aus Norwegen, Äquatorialguinea sowie Trinidad & Tobago.

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