Wolf-Abschuss per Gesetz: Das Problem im deutschen Wald ist nicht der Wolf

I n der Pressemitteilung zur geplanten Änderung des Bundesjagdgesetzes ist es nur ein Nebensatz: Man wolle nicht nur den Wolf ins Gesetz aufnehmen, sondern auch einen runden Tisch einrichten – mit Jägern, Waldbesitzern und Umweltschützern. Ziel der Bundesregierung sei es, bis Ende 2026 „Ergebnisse zum Wald-Wild-Konflikt“ vorzulegen. Sehr schöne Idee, doch geredet wurde in den vergangenen Jahrzehnten genug. Deswegen hier schon mal ein Vorschlag für ein Ergebnis: Es braucht neue Jagdgesetze, die den Wald nicht länger zur Kulisse für Jägerwünsche degradieren.

Denn das Problem im deutschen Wald ist nicht der Wolf. Ja, es ist richtig, Problemwölfe, die Schafe und andere Tiere reißen, sollten so schnell wie möglich geschossen werden. Mehr Tempo und einfachere Verfahren wären dabei hilfreich. Doch das größere Problem sind die Jäger – nicht wegen der Tiere, die sie schießen wollen (Wölfe), sondern wegen derer, die sie nicht schießen wollen.

Sie wollen Wölfe loswerden, weil diese Unruhe ins Revier bringen, Rehe und Rotwild fressen – auch die mit prächtigen Geweihen – und die gemütliche Jagd vom Hochsitz erschweren. Bitte keine Konkurrenz, das ist das wahre Motiv.

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Ansonsten aber sind Jäger sehr wählerisch darin, was gejagt werden soll, etwa Rehe und Rotwild: Ja, gerne – aber nicht zu viele. Zwar werden im Jahr mehr als 1,3 Millionen Rehe geschossen, aber die, die noch da sind, reichen aus, um den dringend nötigen Waldumbau dramatisch auszubremsen. Rehe fressen junge Laubbäume, und so bleiben die artenarmen, anfälligen Fichten- und Kiefernplantagen bestehen. Dichte Laubwälder könnten längst wachsen, wenn der Wildbestand sinken würde. Schon 1971 forderte der Naturschützer Horst Stern genau das. Jedes Weisergatter – umzäunte Waldflächen, wo Rehe nicht reinkommen – zeigt das. Doch alle Reformen der Jagdgesetze, die den Wald über die Wildhege stellen, scheitern am Widerstand traditioneller Jäger oder werden bis zur Unkenntlichkeit verwässert.

Doch es gibt Hoffnung: Immer mehr junge Jägerinnen und Jäger verstehen das Problem. Sie jagen im Einklang mit Wald- und Landbesitzern so, dass die Naturverjüngung ohne Zäune gelingt. Nein, es geht nicht um die Ausrottung der Rehe, wie manche Jäger reflexhaft behaupten. Es geht um eine zukunftsorientierte Balance zwischen Wald und Wild. Mit Wolf.

Und auch das entwickelt sich: Wo Jagdpächter nicht bereit sind, genug zu jagen, denken Waldbesitzer in manchen Jagdgenossenschaften um. Statt die Wälder für die Jagd zu verpachten, für mindestens neun Jahre (auch so eine Regel im Jagdgesetz, die wegkann), organisieren sie das selbst. Das ist viel Arbeit für Kleinwaldbesitzer, vor allem am Anfang, aber es lohnt sich: Endlich wächst bei ihnen ein klimaresilienter Wald für eine Zukunft, die Lebensraum bietet, Ökosysteme stabilisiert und eine profitable Holzernte ermöglicht. Solche Modelle sollte ein Jagdgesetz fördern und unterstützen, statt konservativen Jagenden den Wolf vor die Flinte zu liefern.

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