Vorkampf von Paul vs. Tyson: Weltklasse, aber halt weiblich

Boxen an diesem Wochenende? Nix als Kirmesboxen, denn sportlichen Wert besaß das Gekloppe zwischen Jake Paul und Mike Tyson kaum.

Und doch war da Weltklasse: Katie Taylor aus Irland verteidigte erfolgreich ihren WM-Titel im Superleichtgewicht gegen Amanda Serrano aus Puerto Rico, Weltmeisterin im Federgewicht.

Es waren die aktuell weltbesten Profiboxerinnen, die die Veranstalter des Tyson-Paul-Karnevals ins Vorprogramm steckten, damit wenigstens ein paar Freunde qualitätsvollen Boxens in die Arena kamen.

Taylor siegte nach Punkten, wie sie im April 2022 schon einmal gewonnen hatte. Aber dieses Mal war vieles anders: Taylor wurde ausgebuht. Serrano war aktiver und aggressiver, auch wenn Taylor gute Konter gelangen. In der 8. Runde wurde Taylor nach einem Kopfstoß ein Punkt abgezogen. Das sorgte für noch mehr Argumente, warum Taylors Sieg vom Publikum nicht akzeptiert wurde.

Taylor und Serrano erhalten jeweils 6 Millionen Dollar. Bei Mike Tyson wird über 50 bis 100 Millionen gemunkelt.

Teilzeitfeminist Jake Paul

Noch etwas war anders als 2022. Damals waren Taylor und Serrano die beiden ersten Frauen, die im New Yorker Madison Square Garden als Hauptkämpferinnen antraten. Besonders feiern ließ sich dafür … Jake Paul. Der ist nämlich nicht nur der Mann, der seine eher knappen boxerischen Fähigkeiten gegen den 58-jährigen Mike Tyson beweisen wollte, sondern er ist auch Serranos Promoter, der auf Pressekonferenzen höhere Kampfbörsen für Frauen fordert.

Beim Kirmesbattle erhielt Teilzeitfeminist Paul mindestens 20 Millionen Dollar, es können auch 40 Millionen sein. Bei Tyson bewegen sich die Gerüchte zwischen 50 und 100 Millionen Dollar.

Taylor und Serrano erhielten vermutlich jeweils circa 6 Millionen Dollar. Einerseits ist das die mit Abstand höchste Kampfbörse im Frauenboxen ever, andererseits ist es irgendwo zwischen 6 und 12 Prozent dessen, was Mike Tyson an jenem Abend ausgezahlt bekam.

Gekämpft wurde übrigens über zehn Runden, dabei hatte sich gerade Amanda Serrano zuletzt mit einem gewissen Karriererisiko erfolgreich dafür eingesetzt, dass Frauen wie die Männer boxen: 12 Runden à 3 Minuten. Die acht Runden, die die Veranstalter Mike Tyson zumuten wollten, waren übrigens nur 2 Minuten lang.

Der gesellschaftliche Rückschritt in einem Satz: Zwei ihrem Sport nicht gewachsene Männer, die beide Donald Trump unterstützen, lassen sich unglaubliche Geldsummen auszahlen und sorgen zugleich dafür, dass zwei wahre Weltklasseathletinnen irgendwo im Vorprogramm ihres Kampfs verschwinden.

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