Debatte um unbezahlte Krankheitstage: Offensiver kontern!

Hinter der Debatte um Karenztage stecken knallharte Interessen der Versicherungsbranche. Die verdient an privaten Verträgen nämlich prima.

D ie Debatte über die Lohnstreichung für den ersten Krankheitstag von Beschäftigten ebbt nicht ab. Unermüdlich weisen Fachleute zwar darauf hin, dass diese „Karenztag“ genannte Bestrafung von Kranken weder ökonomisch noch gesundheitspolitisch Sinn macht. Aber zunehmend Gehör finden eben auch diejenigen, die keine Gelegenheit auslassen, sozialpolitische Errungenschaften infrage zu stellen: Ar­beit­ge­ber­ver­tre­te­r:in­nen und ihr Anhang versuchen, den politischen Rechtsruck zu nutzen, um Lohnkosten zu drücken. Die aktuelle Diskussion gibt einen Vorgeschmack darauf, wie umkämpft als sicher geltende Sozialleistungen in Zukunft sein werden.

DGB-Chefin Yasmin Fahimi nennt die Forderung nach einem Karenztag „unangemessen und unverschämt“ – und den Einstieg in eine Misstrauenskultur in Unternehmen, denn Kranke werden unter den Generalverdacht des Blaumachens gestellt. Das ist richtig, aber zu defensiv gekontert. In Gang gesetzt wurde die Diskussion ausgerechnet von Oliver Bäte, Chef des Versicherungsgiganten Allianz.

Die Finanzbranche verdient prima am Abbau von Sozialleistungen, jede gestrichene oder gekürzte Leistung ist ein potenzieller Profittreiber. Die Abschaffung etwa der gesetzlichen Berufsunfähigkeitsversicherung und die Kürzung von Rentenansprüchen kostet Beschäftigte richtig viel Geld, weil sie nun eine private Absicherung brauchen. Auch für den Karenztag hätte die Branche sicher bald etwas im Angebot.

Gewerkschaften sind dem „unangemessenen und unverschämten“ Treiben von Versicherungschefs wie Bäte nicht einfach ausgeliefert. Gerade die Allianz ist ein wichtiger Geschäftspartner von ihnen im milliardenschweren Geschäft mit der Altersversorgung, etwa bei Branchenlösungen wie der Metallrente oder dem Presseversorgungswerk.

Das muss ja nicht so bleiben. Darauf sollten Ge­werk­schafter:innen wie Fahimi durchaus hinweisen. Partnern, die so Front machen gegen die Interessen ihrer eigenen Leute wie es Allianz-Chef Bäte getan hat, sollten die Gewerkschaften in Aussicht stellen, die lukrative Geschäftsbeziehung zu beenden.

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