Künstliche Intelligenz: Wie viel Regulierung ist sinnvoll?

Ein unüberbrückbarer Dissens, ein unverschämtes Angebot, ungeahnte Investitionssummen und eine unbeantwortete Frage – die vergangenen Tage haben in Sachen künstliche Intelligenz (KI) weltweit für Aufregung gesorgt.

Dabei wurde der KI-Gipfel in Paris, zu dem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eingeladen hatte, überlagert von dem Angebot von Elon Musk an OpenAI-Gründer Sam Altman, dessen Unternehmen zu kaufen. 100 Milliarden US-Dollar stellte der reichste Mensch der Welt dafür als Kaufsumme in den Raum – für ein Unternehmen, das schätzungsweise mehr als 160 Milliarden US-Dollar wert ist. Die Absage kam prompt. Doch der Fall zeigt, wie die einzelnen Akteure um die Vormachtstellung auf dem Markt kämpfen. Und die Frage ist: Welche Rolle bleibt dabei für Europa?

Derzeit versucht es die EU mit einem Kompromiss. „Wir wollen, dass KI eine Kraft für das Gute und für Wachstum ist – und zwar durch unseren eigenen europäischen Ansatz, der auf Offenheit, Zusammenarbeit und herausragenden Talenten beruht“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf dem Pariser Gipfel. In dessen Abschlusserklärung heißt es, KI müsse „offen“, „inklusiv“ und „ethisch“ sein und „für Menschen und den Planeten nachhaltig“. Zahlreiche Staaten, darunter China, Indien, Kanada und Australien, unterzeichneten die Erklärung, zwei bedeutsame jedoch nicht: Großbritannien und die USA.

Überraschend ist dabei eher die breite Zustimmung. Denn die Stimmen der Regulierungsgegner, etwa US-Vizepräsident JD Vance, waren laut in Paris. Der Entwicklung von künstlicher Intelligenz Regeln zu geben bedeute, „eine der vielversprechendsten Technologien seit Generationen lahmzulegen“, sagte er. Der AI Act, die EU-Verordnung, die KI-Entwickler:innen zumindest ein Basisset an Regeln auferlegt, gilt auch manchen hiesigen Unternehmen als Korsett. Doch der Gipfel zeigt: Die Idee, dass Europa in Sachen KI einen eigenen Weg geht und nicht einfach China oder den USA folgt, ist noch nicht vom Tisch.

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Investitionen in die richtigen Dinge

„Die KI-Verordnung hemmt keine Innovation, sondern definiert Leitplanken und schafft damit Handlungsspielräume“, sagt Antonio Krüger, Informatikprofessor und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz gegenüber dem Science Media Center. Grundsätzlich sieht Krüger Europa gut aufgestellt, die akademische und die industrielle KI-Forschung seien wettbewerbsfähig. Aber: „Das Volumen des Risikokapitals, das in Europa eingesetzt wird, um Forschungsprototypen zu Produkten weiterzuentwickeln, ist es nicht.“

Ändern könnte sich das mit Geld, das die Po­li­ti­ke­r:in­nen rund um den Pariser Gipfel in Aussicht stellten. Macron kündigte KI-Investi­tio­nen in Höhe von 109 Milliarden Euro „in den nächsten Jahren“ an, getragen werden sollen sie von Firmen. Und von der Leyen kündigte die Mobilisierung von 200 Milliarden Euro aus privaten und öffentlichen Mitteln an. Der Zeitraum sei nach Angaben eines Kommissionssprechers noch nicht definiert.

„Investitionen sind wichtig, aber das Geld muss in die richtigen Dinge fließen“, sagt Matthias Spielkamp, Geschäftsführer der NGO Algorithmwatch, der ebenfalls an der Konferenz teilgenommen hat, der taz. Dafür müsse man vor allem weg vom Fokus auf generative KI. Das sind Anwendungen wie ChatGPT, mit denen sich Inhalte generieren lassen und hinter denen Large Language Models (LLMs) stecken, also große Sprachmodelle, die mit riesigen Mengen an Daten trainiert wurden. „Die LLMs werden vermutlich nie in kritischen Systemen eingesetzt werden“, sagt Spielkamp. Etwas wie ChatGPT im Autopilot eines Flugzeugs? Undenkbar angesichts der Unzuverlässigkeit, die die Modelle an den Tag legen.

Europa solle sich daher, sagt Spielkamp, auf KI konzentrieren, die zu konkreten gesellschaftlichen Verbesserungen beitragen kann. Zum Beispiel dazu, die Lasten in Stromnetzen oder die Verbindungen im Nahverkehr besser zu steuern. Hier gebe es nicht nur wirtschaftliches Potenzial – sondern auch die Chance, beim Einsatz von KI in kritischen Systemen wie Energieversorgung oder Mobilität von den USA unabhängig zu bleiben.

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