Abschied von Shiri, Ariel und Kfir Bibas: Angehörige quälen ist eine Strategie der Hamas

A lles war orange an diesem Mittwoch in Berlin für mich. Der Tee in meiner Tasse, der Himmel, wenn ich nur lange genug die grauen Wolken ansah, und die Tabs auf meinem Laptop, die alle dasselbe zeigten: den Abschied von Shiri Bibas und ihren Söhnen Ariel und Kfir in Israel.

Tausende Israelis nahmen an diesem Mittwochmorgen an einem Trauerzug für die drei teil. Die Menschen hielten Schilder mit gebrochenen orangefarbenen Herzen hoch – orange als Erinnerung an die beiden rothaarigen Kinder. „Sorry“ stand auf manchen Postern, Israelfahnen wehten am Straßenrand, und die Menschen weinten.

Als Shiri, Ariel und Kfir am 7. Oktober 2023 von der Mörderbande Hamas aus ihrem Zuhause im Kibbuz Nir Oz entführt wurden, waren die beiden Kinder gerade einmal 4 Jahre und 9 Monate alt, Shiri 32 Jahre. Die forensischen Untersuchungen ihrer Überreste legten offen, dass sie in Geiselhaft getötet wurden, die beiden Jungen im November 2023 – nicht, wie von der Hamas behauptet, durch einen israelischen Luftangriff, sondern mit bloßen Händen.

Später sollen die Terroristen „grausame Taten“ an den Kindern begangen haben, um ihre Gräueltaten zu vertuschen. War Shiri dabei, als ihnen Gewalt angetan wurde? Wurde sie gezwungen, dabei zuzusehen? Allein diese Fragen zu formulieren, ist kaum auszuhalten.

Wie konnte das nur geschehen? Warum hat die Welt das nicht verhindert? Der Mord an Shiri, Ariel und Kfir kann nur als ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden; die Übergabe der getöteten Kinder war eine sadistische Propagandashow mit Volksfestcharakter, die von jubelnden Kindern und anderen Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen verfolgt wurde. Eine Vorführung, als psychologische Folter eingesetzt. Drei Generationen wurden ausgelöscht: Shiris Eltern, Margit Shnaider Silberman und Yossi Silberman am 7. Oktober, ihre Söhne und Shiri selbst.

Wie nennt man das? Terror?

Die Hamas greift gezielt Familien an, instrumentalisiert diese Bindung zu eigenen Zwecken. Wie nennt man das? Terror? Sadismus? Das pure Böse? Die israelische Völkerrechtlerin Cochav Elkayam-Levy hat dafür den Begriff ­Kinozid geprägt. Elkayam-Levy leitet eine unabhängige Kommission, die die Hamas-Verbrechen gegen Frauen und Kinder am 7. Oktober untersucht – um diese später vor internationalen Gerichten zu verfolgen.

Kinozid bezeichne die Instrumentalisierung von Familien, als Mittel der psychologischen Kriegsführung. Die Hamas ziele nicht nur darauf ab, individuelles Leid zuzufügen, sondern auch Trauma in der ganzen Gesellschaft zu erzeugen, sagen die Expert:innen.

Wie weiterleben? Diese Frage habe ich mir in den letzten Tagen immer wieder gestellt. Nicht unbedingt für mich, das wäre vermessen. Aber wie soll ein Weiterleben für die direkt betroffenen Familien möglich sein? Weiterleben, wenn die kollektive Katastrophe noch immer anhält. Wenn ihre Liebsten zwar aus der Gewalt der Hamas befreit sind, aber nun für immer von dieser Welt sind.

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Wieder­gutmachung ist nicht möglich, Zuversicht rar

Wiedergutmachung ist nicht möglich, Zuversicht rar. Menschen sind tot, immer noch verschleppt, und eine Zukunft des friedlichen Zusammenlebens scheint fern oder wird durch wahnsinnige Vertreibungspläne des US-Präsidenten torpediert.

Ich spüre große Demut vor Shiris Schwester Dana Silberman-Sitton, die sich trotz erlebten Leids nicht der Dunkelheit hingibt, nicht verhärtet. In ihrer Trauerrede sagte sie: „Ich verspreche euch, dass die Monster jenseits des Zauns mit ihrer Mission keinen Erfolg haben werden. Sie werden uns nicht besiegen, sie werden uns nicht brechen.“

Ungewissheit ist unerträglich. Nach 1,5 Jahren kann die Familie endlich trauern, doch der Verlust bleibt. Es gibt großartige Menschen auf dieser Welt, aber nie wieder Shiri, Ariel und Kfir. Sie wird es nie wieder geben.

  • informationsspiegel

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