Konflikt zwischen Indien und Pakistan: Weiter Schießereien um Kaschmir

In der dritten Nacht in Folge liefern sich Indien und Pakistan Schießereien in Kaschmir. UN fordern „Zurückhaltung“, Iran bietet sich als Vermittler an.

Srinagar afp | Nach dem Anschlag auf Touristen in der umstrittenen Region Kaschmir haben indische und pakistanische Soldaten nach indischen Angaben in der dritten Nacht in Folge aufeinander geschossen. Die indische Armee erklärte am Sonntag, entlang der Demarkationslinie zwischen beiden Ländern in der von Neu-Delhi sowie von Islamabad beanspruchten Region hätten zunächst pakistanische Soldaten „unprovoziert“ mit Kleinwaffen geschossen. Indische Soldaten hätten hierauf „wirksam“ mit „angemessenem Kleinwaffenbeschuss“ reagiert.

Von pakistanischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung des jüngsten Schusswechsels. Bereits in den vergangenen Nächten war es zu ähnlichen Zusammenstößen gekommen.

Am Dienstag hatten Angreifer im beliebten Urlaubsort Pahalgam im indischen Teil von Kaschmir 26 Touristen erschossen. Die indische Polizei fahndet nach vier mutmaßlichen Mitgliedern der pakistanischen Gruppe Lashkar-e-Taiba (LeT) und setzte ein Kopfgeld in Höhe von umgerechnet rund 20.000 Euro aus. Nach indischen Polizeiangaben waren unter den flüchtigen Tätern zwei pakistanische Staatsbürger. In der Region sind seit Jahren militante Extremisten aktiv. Die LeT wird von der UNO als Terrororganisation eingestuft. Indien warf Pakistan nach dem Angriff die Unterstützung von „grenzüberschreitendem Terror“ vor, Pakistan wies dies zurück.

Die beiden Atommächte überzogen sich nach dem Anschlag gegenseitig mit Strafmaßnahmen. Experten schließen angesichts der jüngsten Spannungen eine militärische Eskalation nicht aus.

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte am Freitag in einer Erklärung den Anschlag auf die Touristen als „Terrorangriff“. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, hieß es. Am Donnerstag hatte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres, Stéphane Dujarric, beide Seiten zu „größtmöglicher Zurückhaltung“ aufgerufen.

Der Iran hat sich als Vermittler in dem eskalierenden Konflikt angeboten. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte am Samstag im Onlinedienst X, Teheran sei „bereit, seine guten Dienste zu tun“. Er habe seinem pakistanischen Kollegen Ishaq Dar diesen Vorschlag gemacht. Entlang der Kontrolllinie in der Region Kaschmir lieferten sich Soldaten beider Seiten in der Nacht zum Samstag Schusswechsel.

Die nördliche Himalaya-Region Kaschmir, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt wird, ist seit der Unabhängigkeit Indiens und Pakistans im Jahr 1947 geteilt. Beide Länder beanspruchen das Gebiet vollständig für sich und haben bereits zwei Kriege um die Kontrolle der Bergregion geführt.

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