Dänischer Monarch besucht Grönland: Grönland fährt nicht mit dem König Schlitten

Härnösand taz | Das Wetter verändert zwar die Reisepläne, aber nicht die Botschaft: Wir tun, was wir können, um Grönland zu unterstützen. Als König Frederik von Dänemark mit einem halben Tag Verspätung in Nuuk aus dem Flugzeug steigt, tut er dies mit einem wenig subtilem Aufnäher auf der Jacke – den Flaggen Dänemarks und Grönlands Seite an Seite. An der Seite des Königs: der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, der den Monarchen quasi aus Kopenhagen abgeholt hat.

Dänemark läuft in diesen Tagen einen politisch-diplomatischen Marathon, um das Verhältnis zur ehemaligen Kolonie zu verbessern. Nielsen, als Regierungschef noch frisch im Amt, war zuerst mit großem Tamtam in Dänemark empfangen worden – Treffen mit Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Sonntag, mit Parlamentsabgeordneten am Montag, danach Audienz beim König.

In einem Facebook-Post vermeldete Nielsen noch aus Kopenhagen, er habe dort deutlich gemacht, dass Grönland mehr Gleichwertigkeit im Verhältnis zu Dänemark verlange. An seine Landsleute gerichtet schrieb er: „Wir stehen heute stark da in der Reichsgemeinschaft. Das werden wir nutzen.“ Die Situation Grönlands habe zu lange stillgestanden. Bei Ministerpräsidentin Frederiksen bedankte er sich für ein „gutes und konstruktives Treffen“.

Den Rückweg nach Grönland trat er dann mit König Frederik an. Allerdings nicht wie geplant am Montagabend – das Wetter auf der geopolitisch neuerdings besonders begehrten Insel war zu schlecht für den Anflug, erst am Dienstagmittag konnte der hohe Besuch landen. Er freue sich darauf, Gastgeber für König Frederik zu sein, hatte Nielsen auf Facebook geschrieben.

Termine abgesagt

Zwei Termine wurden wetterbedingt abgesagt – darunter der ab Mittwoch geplante mehrtägige Besuch des Königs bei der Sirius-Schlittenpatrouille ganz im Norden Grönlands, mit dem dänischen Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen.

Grönland stand für Frederik immer wieder auf dem Besuchsprogramm. Sein Interesse an diesem besonderen Teil des Königreiches Dänemark gilt als echt und tief, er selbst dort als beliebt. Der Journalist Lasse Lindegaard vom dänischen Rundfunk DR berichtete am Dienstag, er sei in Nuuk in den vergangenen Monaten immer wieder von Menschen gefragt worden: „Kommt der König nicht bald?“ Die Vorfreude auf den Besuch sei entsprechend groß gewesen.

Gelegenheit, den König zu treffen, gab es am Dienstag bei einer Art Tag der offenen Tür bei Kaffee und Gebäck – in einem Kulturhaus in Nuuk. Neben Ausflügen in die Natur stand am Abend eine Essenseinladung bei Nielsen zu Hause auf dem königlichen Programm.

In Dänemark wird dieser Besuch als eher politisch denn repräsentativ bewertet – eine Art Zusammenspiel zwischen Regierung und Königshaus. Nicht nur als Zeichen an das grönländische Volk für ein starkes Bemühen um dessen Gunst, sondern auch als eines des Zusammenhalts in Richtung USA und deren Präsidenten.

Verbale Angriffe

Donald Trumps verbale Angriffe auf die Souveränität dänischen Staatsgebiets unter Missachtung dessen, was Grönland selbst zu Trumps Übernahme-Fantasien sagt: Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Die aktuelle Qualität dänischer Grönlandpolitik gilt als direkte Folge davon.

Frederiksen hatte am Sonntag nach dem Treffen mit Nielsen viel Entgegenkommen signalisiert. Man sei bereit, das Selbstverwaltungsgesetz von 2009 zu prüfen und möglicherweise zu ändern, sagte sie laut DR.

Diese Frage ist besonders aktuell, seit der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen im März den Vorschlag gemacht hatte, Grönland könne bestimmte politische Bereiche in Eigenregie übernehmen, ohne direkt die Finanzierung selbst stemmen zu müssen. Laut Gesetz bedingt das eine bislang das andere.

Frederiksen schloss zudem den Einsatz einer Versöhnungskommission zur Aufarbeitung der dunklen Kapitel der dänischen Kolonialgeschichte in Grönland nicht aus. Sie wolle alles tun, was sie in ihrer Rolle tun könne, um sicherzustellen, dass man eine starke und moderne Reichsgemeinschaft habe. Und: Mit Donald Trump sei man bereit zu sprechen, sofern er Grönland mit Respekt behandele.

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