Tierquälerei für Massentourismus: Rührei aus Ekelställen

Madrid taz | Für viele der über 13 Millionen Touristen, die jährlich Mallorca besuchen, beginnt der Tag mit einem Frühstücksei. Wachsweich, hartgekocht, Spiegel- oder Rührei – Geschmäcker und Kulturen unterschieden sich. Doch in einem sind sich alle einig: Frisch soll es sein und am besten von glücklichen Hühnern.

Genau das verspricht die größte Hühnerzucht der Insel, Avícola Ballester in Llucmajor, südöstlich der Hauptstadt Palma de Mallorca. Sieben riesige Stallungen beherbergen hier 136.000 Hühner. Die Hennen hätten alle Auslauf, so die Werbung, und die Eier sind mit dem unabhängigen Tierschutzgütesiegel Welfair ausgezeichnet. Ganz, wie es der Kunde sucht.

Doch eine Untersuchung der beiden Tierschutzorganisationen ARDE und Satya Animal nach einer anonymen Anzeige ergibt ein ganz anderes Bild. Der Massentourismus und die damit verbundene hohe Nachfrage fordern ihren Preis. Die Tiere haben weit weniger Auslauf als vorgeschrieben. „Der Ort ist äußerst unhygienisch, voller Spinnweben und einer Mischung aus Staub, Schmutz und Federn“, so das Fazit der Organisationen. „Die Hühner koexistieren mit Dutzenden von Kadavern in unterschiedlichen Verwesungsstadien – einige wurden gar kannibalisiert – sowie mit Ratten und sogar Igeln“, heißt es weiter.

Die beiden Organisationen haben diese Vorfälle der Umweltstaatsanwaltschaft der Balearen gemeldet und Anzeige wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die öffentliche Gesundheit erstattet. Die Anwesenheit anderer Tierarten auf der Farm stelle ein hohes Risiko dar. Auch auf Konsumenten könnten Krankheiten übertragen werden, etwa Leptospirose – ein Keim, der innere Organe befällt – oder Salmonellen.

Doppelter Betrugsvorwurf

„Dieser Betrieb könnte auch wegen Betrug angeklagt werden“, erklärt Julia Elizalde, Sprecherin von ARDE. „Wir haben der Staatsanwaltschaft Bilder übermittelt, die zeigen, wie die Freilandhühner sechs Tage lang keinen Auslauf hatten und die Stalltüren geschlossen bleiben. Verbraucher zahlen mehr für diese Eier, weil sie glauben, die Hühner hätten Zugang ins Freie. Diese Erwartung wird jedoch nicht erfüllt.“ Die europäische Gesetzgebung sieht vor, dass Freilandhühner jederzeit frei entscheiden können ob sie sich draußen oder drinnen aufhalten.

Die Hühnerzucht Avícola Ballester war bereits 2024 mit einen Bußgeld von 150.000 Euro belegt worden, weil sie auch nach sieben Jahren Betrieb nicht alle notwendigen Genehmigungen besaß. Dennoch habe die Farm – so die beiden Tierschutzorganisationen – 380.000 Euro aus dem europäischen Fonds für Landwirtschaft und regionale Entwicklung.

„Es ist besorgniserregend, dass dieser Bauernhof das Tierschutzsiegel Welfair besitzt, obwohl seine Tätigkeit aus administrativer Sicht illegal war und er sich mehrerer strafrechtlich Vergehen schuldig gemacht haben könnte“, sagt Marina Sánchez, Präsidentin des mallorquinischen Tierschutzorganisation Satya Animal. Für sie handelt es sich auch dabei ganz klar um Täuschung der Verbraucher.

Expansionspläne

2024 stellte das Unternehmen den Antrag, eine weitere Farm auf Mallorca zu bauen. 739.000 Hennen sollten dort untergebracht werden. Der Plan scheiterte an einem neuen Gesetz der Regierung der Balearischen Inseln, das künftig maximal 160.000 Hennen in einem Hof zulässt.

Der Chef von Avícola Ballester, Gorka Moreno, bezeichnet die Vorwürfe der Tierschützer in einer Erklärung gegenüber der Nachrichtenagentur Europa Press als „sensationslüstern und extremistisch“. Die Bilder würden auf keinen Fall den „Alltag“ des Unternehmens widerspiegeln. Die Polizei, Inselregierung und das Gütesiegel Welfair haben mittlerweile eigene Ermittlungen aufgenommen.

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