Springer-Blockade der Neuen Generation: Übers Ziel hinaus

Erst blockierten sie Straßen, jetzt Pressehäuser. Die Ak­ti­vis­t*in­nen der Neuen Generation kämpfen um Aufmerksamkeit – und stecken in einem Dilemma.

D ie Ak­ti­vis­t*in­nen der ehemals Letzten Generation sind zurück – mit Presse-Blockaden, Radwegaktionen und einem selbst organisierten Bürgerrat. Am Wochenende haben sie damit in Berlin viel Aufmerksamkeit erzielt. Doch nicht jeder Protest überzeugt.

Die Blockade der Springer-Druckerei, bei der rund 30 Mitglieder der Gruppe Neue Generation unter anderem die Auslieferung der Bild-Zeitung und der B.Z. verhindern wollten, überschreitet eine Grenze. Was schon bei den Bauernprotesten falsch war, ist auch bei Klimaaktivistinnen nicht richtig: Die Verbreitung von Zeitungen zu verhindern, ist ein Eingriff in die Pressefreiheit, den eine Demokratie nicht hinnehmen darf. Absurd, dass die Aktivistinnen ihrerseits mit dem Schutz der Pressefreiheit argumentieren, wenn sie die Republik von der „Kettensäge Springer“ befreien wollen.

Das Dilemma der Gruppe heißt: Kampf um Aufmerksamkeit. Aktionen wie andernorts im Deutschen Historischen Museum, wo Bilder mit eigenen Motiven überklebt wurden, schockieren nach früheren Suppen- und Kartoffelbrei-Attacken nicht. Das Widerstandskollektiv, das als Ableger der Letzten Generation entstanden ist, versucht es derweil mit selbst gemalten Radwegen statt Straßenblockaden. Ist das langweilig – oder ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr? Die Wirkung zeigt sich oft später: Wo Piktogramme auftauchen, entbrennen womöglich Debatten über fehlende oder mangelhafte Radinfrastruktur. Das könnte funktionieren.

Auf Dialog statt Konfrontation setzt die Idee „Parlament der Menschen“ der Neuen Generation. 60 zufällig aus ihrem Kreis geloste Bür­ge­r*in­nen diskutierten drei Tage lang vor dem Reichstag, wie Geld weniger Einfluss auf Politik haben soll. Heraus kam der Ruf nach mehr direkter Beteiligung und Klimapolitik. Nichts Neues – aber ehrlich erarbeitet. Bleibt zu hoffen, dass es ihnen mit diesen Allgemeinplätzen nicht ergeht wie den anderen Bürgerräten: dass die Vorschläge im politischen Nirwana verpuffen.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Landtagswahlen in Brandenburg 2029: Woidke schließt weitere Amtszeit nicht aus
    • February 12, 2026

    Dietmar Woidke wird im Frühjahr wohl Deutschlands dienstältester Ministerpräsident. Wie lange bleibt er Regierungschef? mehr…

    Weiterlesen
    Beamte und Altersvorsorge: Beamte halten Kritik an Pensionen für „populistischen Unfug“
    • February 12, 2026

    Der Beamtenbund protestiert gegen Vorschläge, die Staats­die­ne­r:in­nen künftig in die Rentenkasse einzubeziehen. Es gibt aber fundierte Gegenmeinungen. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Landtagswahlen in Brandenburg 2029: Woidke schließt weitere Amtszeit nicht aus

    • 5 views
    Landtagswahlen in Brandenburg 2029: Woidke schließt weitere Amtszeit nicht aus

    Beamte und Altersvorsorge: Beamte halten Kritik an Pensionen für „populistischen Unfug“

    • 6 views
    Beamte und Altersvorsorge: Beamte halten Kritik an Pensionen für „populistischen Unfug“

    Justizumbau in Italien: Wird Italien das neue Ungarn?

    • 4 views
    Justizumbau in Italien: Wird Italien das neue Ungarn?

    Fördermittelaffäre der Berliner CDU: Staatlich geförderte Hasspredigerin

    • 4 views
    Fördermittelaffäre der Berliner CDU: Staatlich geförderte Hasspredigerin

    Verfassungsbeschwerde erfolglos: Palästinenser kann nicht gegen Ex­port von Waf­fen­ klagen

    • 7 views
    Verfassungsbeschwerde erfolglos: Palästinenser kann nicht gegen Ex­port von Waf­fen­ klagen

    Israels Angriffe auf den Libanon: Häuser werden in Schutt und Asche gelegt

    • 5 views
    Israels Angriffe auf den Libanon: Häuser werden in Schutt und Asche gelegt