Israels Angriffe auf den Libanon: Häuser werden in Schutt und Asche gelegt

Israelische Soldaten sind in der Nacht auf Donnerstag in die libanesische Stadt Odaisseh eingedrungen und haben zwei leer stehende Wohngebäude mit Dynamit gesprengt, berichten lokale Medien. Eine weitere Gruppe von Soldaten drang demnach in das Nachbardorf Kfar Kila ein und sprengte dort ein weiteres Haus. Fotos in lokalen Medien zeigen die vollständig zerstörten Gebäude.

Die Grenzdörfer leiden unter täglichen israelischen Attacken. Wie libanesische Medien berichten, beschossen Soldaten am Donnerstag mit Maschinengewehren aus einer von Israel besetzten Stellung im Libanon die Außenbezirke des Dorfes Alma al-Schaab. Eine israelische Armeedrohne warf Blendgranaten auf einen Bulldozer und einen Steinbruch in dem Dorf ab. Das Gerät wird für den Wiederaufbau benötigt.

Erst vor ein paar Tagen hatte Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam die zerstörten Dörfer im Südlibanon besucht. Zwischen Schutt einstiger Häuser suchten am Sonntag Einwohner von Kfar Kila Kontakt zu dem Regierungschef. Trotz der Präsenz der libanesischen Armee seien israelische Soldaten in das Dorf eingedrungen und hätten weitere Gebäude zerstört, erzählt der Bürgermeister von Kfar Kila.

Angaben der Bewohner zufolge wurden in den vergangenen zwei Wochen sechs Häuser gesprengt. Vor Kameras sagte der Bürgermeister: „Das muss aufhören!“. Derzeit benötigten 1.400 Familien aus Kfar Kila Hilfe für den Wiederaufbau und ihren Lebensunterhalt. Salam sagte staatliche Unterstützung für die Gemeinden nahe der israelischen Grenze zu. Der Wiederaufbau von Straßen und des Telefonnetzes werde bald beginnen.

Militärische Präsenz als Vorwand

Doch die fast täglichen Angriffe behindern den Wiederaufbau. Israel nutzt die militärische Präsenz der Hisbollah als Vorwand, um die Angriffe fortzusetzen, auch wenn seit dem 27. November 2024 eine Waffenstillstandsvereinbarung gilt. Seitdem hat die Hisbollah keine Rakete mehr auf Israel abgeschossen. Im Zuge des Abkommens soll die Hisbollah entwaffnet werden, so wie es bestehende UN-Resolutionen vorsehen.

Die libanesische Armee hatte die Entwaffnung der Hisbollah südlich des Flusses Litani im Januar für abgeschlossen erklärt. Der Süden des Landes war die erste Phase des ambitionierten Plans, die Miliz im gesamten Land zu entwaffnen. Die zweite Phase, die Entwaffnung im Norden, stockt.

Der Regierungsplan sieht vor, gemeinsam mit der Hisbollah über einen sogenannten nationalen Dialog über die Zukunft der Kämpfer der Hisbollah zu entscheiden und diese in die libanesische Armee zu integrieren.

Libanons Präsident Joseph Aoun hat einen guten Draht zu Hisbollah-Chef Naim Qassem. Sie seien in verschiedenen Punkten einer Meinung, sagte Qassem am Montag. Beide Seiten wollten das Ende der Aggressionen und lehnten interne Kämpfe ab. Er sprach sogar von „nationaler Einheit und Kooperation“ zwischen dem Staat, der Armee und der Hisbollah.

Drohung und Einladung

Öffentlich sträubt sich Qassem, auch im Norden zu entwaffnen. Es gebe keinen nationalen Konsens über die Entwaffnung, sagte er am Dienstag. Doch ließ er Raum für Spekulationen. „Wenn der libanesische Staat seine Zukunft gestalten will, braucht er den Widerstand als Unterstützung“, sagte Qassem am Dienstag.

Das kann sowohl als eine Drohung gesehen werden, die Miliz nicht zu entwaffnen, als auch als indirekte Einladung, die Kräfte und Waffen der Hisbollah im Sinne des Staates zur Verteidigung zu nutzen.

Die Regierung werde in der kommenden Woche entscheiden, wie es mit der Entwaffnung weitergehe, kündigte Informationsminister Paul Morcos am Mittwoch an. Die Entscheidung werde auf einer Präsentation des Militärs basieren. Darin soll das Militär auch die eigenen „Bedürfnisse und Fähigkeiten“ darlegen. Libanons Militär ist nicht nur chronisch unterfinanziert und besitzt kaum nennenswerte Waffen. Es ist auch auf internationale Hilfsgelder angewiesen, um Gehälter der Soldaten zu bezahlen.

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