Wieder Nullrunde beim Bürgergeld: Und die SPD knickt wieder ein

Trotz gestiegener Lebensunterhaltskosten steigt das Bürgergeld wieder nicht. Zur Legitimation schiebt die Koalition Quatsch-Argumente vor.

D ie SPD hat gewonnen. Also zumindest bei der Challenge, möglichst oft vor der Union einzuknicken. Am Sonntag kündigte SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas für 2026 eine erneute Nullrunde beim Bürgergeld an. Bedeutet: Trotz gestiegener Lebensunterhaltskosten erhält eine alleinstehende Person weiterhin unwürdige 563 Euro pro Monat. Statt zuzugeben, dass der politische Wille für eine Erhöhung fehlt, schiebt man technische Quatsch-Argumente vor.

Quatsch-Argument 1: Eine Erhöhung ist nach dem bestehenden Berechnungsweg nicht vorgesehen. Ja, das stimmt zwar – doch man hätte diesen Berechnungsweg längst ändern können. SPD und CDU haben sich im Koalitionsvertrag sogar darauf geeinigt. Mit der Umstellung auf den sogenannten Mischindex etwa hätte dies eine Er­höhung um 12 Euro pro Monat bedeutet. Das wäre lange nicht genug – aus Sicht von Sozialverbänden kann man erst ab mindestens 813 Euro pro Monat von einer echten Existenzsicherung sprechen. Doch es wäre immerhin eine winzige Verbesserung.

Quatsch-Argument 2: 2023 und 2024 wurden die Leistungen ja schon als Inflationsausgleich massiv erhöht. Das stimmt zwar, doch seit 2021 wurden Bürgergeld beziehungsweise Hartz IV massiv entwertet, weil der Regelsatz deutlich langsamer gestiegen ist als die Inflation. Mit dem gleichen Geld kann man sich viel weniger Waren kaufen als vorher. Die Erhöhungen von 2023 und 2024 haben das Defizit zwar verringert, aber nicht ausgeglichen.

Quatsch-Argument 3: Wir könnten uns eine Erhöhung des Bürgergeldes nicht leisten, wie Friedrich Merz jüngst behauptete. Falsch, die Union will sich eine Erhöhung nicht leisten. Eine Vermögensteuer oder höhere Steuern für Unternehmen zum Beispiel könnten eine Erhöhung finanzieren.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

Sozialleistungen wie das Bürgergeld sind dazu da, einem unsozialen, profitbasierten Wirtschaftssystem seine Spitzen zu nehmen und auch denjenigen mitzutragen, die in diesem System, aus welchem Grund auch immer, nicht bestehen. Dass die SPD sich nicht für eine grundlegende Veränderung dieses Systems einsetzt, ist bekannt. Inzwischen ist sie nicht einmal mehr bereit, sich für ein bisschen würdevolleres Leben der ärmsten Menschen in der Gesellschaft einzusetzen.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Gewerkschaften warnen vor Sozialabbau: „Trommelfeuer von Angriffen auf den Sozialstaat“
    • February 6, 2026

    Verdi-Chef Frank Werneke beklagt, die Wirtschaftsverbände seien „völlig enthemmt“. Die Gewerkschaften fordern einen Stopp der „Kahlschlag-Debatten“. mehr…

    Weiterlesen
    Neue Grundsicherung und Jobcenter: „Es gibt viele Wege, sich zu entziehen“
    • February 6, 2026

    Harte Sanktionen nützen kaum, wenn jemand gar nicht arbeiten will. Aber sie könnten die Falschen treffen, sagt Jana Sieberg, Jobcenter-Personalrätin. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Gewerkschaften warnen vor Sozialabbau: „Trommelfeuer von Angriffen auf den Sozialstaat“

    • 4 views
    Gewerkschaften warnen vor Sozialabbau: „Trommelfeuer von Angriffen auf den Sozialstaat“

    Neue Grundsicherung und Jobcenter: „Es gibt viele Wege, sich zu entziehen“

    • 4 views
    Neue Grundsicherung und Jobcenter: „Es gibt viele Wege, sich zu entziehen“

    Eis und Schnee in Berlin: Da gerät was ins Schlittern

    • 3 views
    Eis und Schnee in Berlin: Da gerät was ins Schlittern

    Berliner AfD-Jugend: Alte Kader, neue Jugend

    • 3 views
    Berliner AfD-Jugend: Alte Kader, neue Jugend

    Versicherungsbetrug in China: Geschäftsmodell Psychiatrie

    • 3 views
    Versicherungsbetrug in China: Geschäftsmodell Psychiatrie

    Deutsche Rüstungsexporte weiter hoch: Rüstungsexporte in Höhe von 12 Milliarden Euro genehmigt

    • 3 views
    Deutsche Rüstungsexporte weiter hoch: Rüstungsexporte in Höhe von 12 Milliarden Euro genehmigt