Die Wahrheit: Meinem Namen zur Ehre

„ … Natürlich wäre es großartig, wenn jemand einen Cocktail nach mir benennt. Aber wer sollte das tun, und warum? …“.

A ngesichts der aktuellen (und notwendigen) Straßenumbenennungen denke ich oft darüber nach, welchen Dingen ich selbst meinen Namen schenken würde. Im Stadtbild möchte ich lieber nicht auftauchen: Eine Allee fände ich vermessen; bei einer Straße läuft man Gefahr, andauernd wegen Staubildung in den nervigen Verkehrsnachrichten aufzutauchen; und ein Jenni-Zylka-Platz wäre ebenfalls unangebracht – nachher ist dort am Wochenende Markt, und das ist mir einfach zu früh. Ich möchte ausschlafen.

Natürlich wäre es großartig, wenn jemand einen Cocktail nach mir benennt. Aber wer sollte das tun, und warum? Die jungen, schlipstragenden Barmixer, die sich schlüpfrige Vokabeln wie „infused“, „jigging“ und „straining“ um die gepflegten Bärte werfen, und beim Riechen am selbstgebrannten Lakritztageteslikör gustatorische Orgasmen bekommen, wirken immer beleidigt, wenn ich meinen Futschi bestelle.


Die handgeschriebene Wahrheit!

Das gibts nur einmal: die handgeschriebene Wahrheit

Für die gedruckte Werktagtaz vom 2. /3. Oktober 2025 hat sich die Wahrheit zusammen mit Julia Molin, Mitarbeiterin der taz-Genossenschaft, eine Premiere ausgedacht. ©Julia Molin verewigt handschriftlich hier verschiedene klassische Formate des Ressorts: Ein Wetter, das Gedicht – dieses Mal von Thomas Gsella zu 35 Jahre Deutsche Einheit, eine Kolumne von Jenni Zylka sowie die allererste Gurke des Tages, die am Starttag der Wahrheit am 3. September 1991 erschien. Und natürlich steht aktuell auch ein Touché by ©Tom auf dieser besonderen Seite im Rahmen der taz druckschluss-Serie. Vorbild für die handgeschriebene Wahrheit war die „Spielnummer“ der taz vom 7. Juni 1978, ©Ute Scheub. Alle Zukunftsinfos unter taz.de/seitenwende +++

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Und die meisten Cocktailnamen, die nach echten Menschen klingen, sind ohnehin ausgedacht: Tom Collins war angeblich im 19. Jahrhundert eine Art imaginärer Sündenbock, von dem man schreckliche Geschichten erfand, um die Zuhörer danach mit einem starken Gin-Mixgetränk wieder zu beruhigen; „Bloody Mary“ wäre eh nur bis zu den Wechseljahren gegangen; und Harvey Wallbanger (Wodka) und sein Kumpel Freddy Fudpucker (Tequila) klingen schwer nach den Aliassen von Junggesellenabschied-Teilnehmern.

Mein Name auf einem Teenagermagazin

Wenn es nicht so unmodern und außerdem noch ressourcenschädigend wäre, hätte ich meinen Namen gern auf einem Teenagermagazin gesehen. Die „Jenni“ wäre ein buntes Blättchen vollgepackt mit Musik, Starschnitten, Foto-Love-Stories und Beziehungstipps gewesen – doch der Drops ist gelutscht. Und mit einer Schiffstaufe würde man mich ebenfalls nicht beglücken, weil ich das mit der Champagnerflasche eine empörende Verschwendung finde.

Ein Ding gibt es allerdings, dem ich sehr gern meinen Namen schenkte: Mit Freuden würde ich neben Linda, Sieglinde, Vitelotte, Kipfler, Anabelle und den über 3.000 anderen im Dreck liegen wollen. Ich bin vielleicht keine gute Frühkartoffel. Aber meine Sorte wäre festkochend.

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