Viel Methan durch Biogas: Biogasanlagen emittieren viel Methan in Deutschland

Die Deutsche Umwelthilfe hat erstmals ermittelt, wie viel von dem hochwirksamen Treibhausgas aus undichten Stellen in deutschen Biogas-Anlagen kommt.

Berlin taz | Bis zu 370.000 Tonnen klimaschädliches Methan entweichen jährlich aus den über 10.000 Biogasanlagen in Deutschland. Das geht aus einer Studie hervor, die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Mittwoch veröffentlicht hat. „Es ist ein Skandal, dass aus Biogasanlagen weitgehend unkontrolliert gigantische Mengen Methan entweichen, was Klima, Umwelt und unsere Gesundheit belastet“, sagt DUH-Chef Jürgen Resch.

Deutschland ist der größte Biogasproduzent weltweit. Fast die Hälfte der EU-Biogasproduktion stammt aus der Bundesrepublik. Methan ist nach CO2 das zweitwichtigste Treibhausgas und etwa für 30 Prozent der Erderwärmung verantwortlich. Es ist noch deutlich klimaschädlicher als CO₂, aber in geringeren Mengen in der Atmosphäre und baut sich schneller ab.

Auf 20 Jahre gerechnet entsprechen die 370.000 Tonnen Methan 31,8 Millionen Tonnen CO₂. Das sind mehr als die jährlichen Treibhausgasemissionen kleiner EU-Staaten wie Malta.

Die Studie misst sowohl die Gesamtemissionen ganzer Anlagen als auch einzelne Emissionsquellen. Die meisten Leckagen entstünden bei Blockheizkraftwerken und Gärrestlagern. „Dabei lassen sich die Leckagen kostengünstig reduzieren, denn jede Tonne Biogas, die nicht in die Atmosphäre entweicht, bedeutet mehr Energieproduktion und Gewinn für die Betreiber“, so Resch.

Würden die Anlagen regelmäßig untersucht und gewartet, sodass „Super-Emittenten“ unter ihnen schnell identifiziert und die undichten Stellen frühzeitig repariert werden könnten, hätte das einen deutlichen Klimaeffekt. Laut Studie könnten die fraglichen Methan-Emissionen dann um bis zu 62 Prozent sinken.

DUH fordert Methanobergrenze

Die DUH schlägt daher vor, eine Obergrenze von 1 Prozent Methanverlust über den gesamten Produktionsprozess der jeweiligen Anlage einzuführen. Sie fordert zudem die konsequente Umsetzung bestehender Standards für Bau, Betrieb und Kontrolle von Biogasanlagen und die Einführung verbindlicher, regelmäßiger Leckage-Kontrollen durch unabhängige Dritte. Diese sollen direkt an die Behörden und öffentlich zugänglich berichten.

Der Fachverband Biogas hat Nachfragen der taz bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.

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