Trotz Waffenstillstand: Kind im Westjordanland getötet

taz | Ein elfjähriges Kind hat am Donnerstag im südlichen Westjordanland sein Leben verloren. Offenbar haben israelische Streitkräfte im palästinensischen Dorf Al-Rihiya südlich von Hebron das Feuer eröffnet und den Jungen getötet.

Wieso, darüber klaffen die Darstellungen von Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen und dem israelischen Militär auseinander. Laut der heimischen Nachrichtenagentur Wafa spielte das Kind, Mohammad Bahjat Al-Hallaq, gerade Fußball mit seinen Freunden auf dem Hof der Schule Al-Rihiya Girls Secondary School, als die israelischen Sol­da­t*in­nen begannen zu schießen.

Das Kind wurde am Becken getroffen und sofort ins benachbarte Krankenhaus gebracht. Allerdings war sein Zustand bereits kritisch, als er dort ankam. Er erlag später seinen Wunden.

Das israelische Militär (IDF) schreibt auf Nachfrage, Menschen hätten in dem Dorf Steine auf seine Sol­da­t*in­nen geworfen, die daraufhin auf die Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen scharf geschossen hätten. Die Schüsse hätten Personen getroffen und das Geschehen werde gerade untersucht. Kein Militär sei dabei zu Schaden gekommen.

Be­woh­ne­r*in­nen von al-Rihiya sagten gegenüber dem britischen Sender BBC, Al-Hallaq habe angefangen zu rennen, als die Fahrzeuge der Sol­da­t*in­nen ankamen. Er und seine Freunde hätten Angst bekommen und wollten zurück nach Hause. Es habe keine Konfrontation zwischen den Kindern und den Sol­da­t*in­nen gegeben, so der Vater von einem Spielkameraden Al-Hallaqs, der ebenfalls dabei war.

Die Streitkräfte hätten aus einem Wagen heraus ziellos geschossen. Laut dem israelischen Sender Kan soll ein israelischer Kommandeur das Verhalten des Soldaten kritisiert haben, der geschossen hatte. Dies habe nicht den Kampfrichtlinien des Militärs entsprochen. Darüber berichteten internationale Medien.

Das Büro für humanitäre Angelegenheiten der Vereinten Nationen in den palästinensischen Gebieten sagte kurz nach der Tat, man sei über die Tötung des Kindes empört. 1.001 Pa­läs­ti­nen­se­r*in­nen seien seit dem 7. Oktober 2023 im Westjordanland von israelischen Streitkräften und Siedlern umgebracht worden, 213 davon, etwa 20 Prozent, seien noch Kinder gewesen. Das jüngste sei ein zweijähriges Mädchen, Laila Khatib, das im Januar 2025 in ihrem Haus in Jenin durch IDF-Schüsse starb.

Die Zahl umfasst ebenso 20 Frauen und mindestens sieben Menschen mit Behinderungen. Palästinenser*innen, die in Gefangenschaft gestorben sind, seien darunter nicht erfasst. Im selben Zeitraum verloren 59 Israelis im Westjordanland und Israel ihr Leben, 22 davon Soldat*innen. Fünf der Getöteten waren Kinder, 16 Frauen.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung
    • July 10, 2026

    Christine Wunnicke hat den diesjährigen Büchnerpreis verliehen bekommen. Federleicht verbindet sie mikroskopisch genaue Erkundungen mit Humor. mehr…

    Weiterlesen
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“
    • July 10, 2026

    In Deutschland soll die Teilzeitkrankschreibung eingeführt werden, Vorbild ist Schweden. Wie funktioniert es dort? mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    • 6 views
    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    • 9 views
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    • 7 views
    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    • 8 views
    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    • 7 views
    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?

    • 8 views
    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?