Prinzip Hoffnung: Hoffnung entsteht durch Beharrlichkeit

I n Deutschland, einem Land, das sich gern auf Menschenrechte beruft, musste ein junger Geflüchteter bis zu den Vereinten Nationen gehen, um sie einzuklagen. Der UN-Sozialausschuss hat die Bundesregierung gerügt, weil sie Menschen auf die Straße setzt – Geflüchtete, die im sogenannten Dublin-Verfahren sind, also in ein anderes EU-Land abgeschoben werden sollen. Ihnen dürfen laut Gesetz Unterkunft, Essen, Kleidung, medizinische Versorgung gestrichen werden.

Der Fall, um den es jetzt ging, betrifft einen 20-jährigen Syrer im Thüringer Ilm-Kreis. Er wurde im Winter 2024 aus seiner Unterkunft geworfen. Unterstützt von Pro Asyl, dem Flüchtlingsrat Thüringen, einem Anwalt und der Gesellschaft für Freiheitsrechte, klagte er bis nach Genf und bekam Recht: Der UN-Sozialausschuss fordert, dass Deutschland ihn wieder unterbringt und mit dem Lebensnotwendigen versorgt. Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Gremium Deutschland wegen eines Verstoßes gegen soziale Menschenrechte gerügt. Eine Ohrfeige für eine Regierung, die von sich behauptet, sie verteidige Humanität.

Diese Entwürdigung ist politisch gewollt: Im Oktober 2024 beschloss die Ampel (SPD, Grüne, FDP) ihr sogenanntes „Sicherheitspaket“. Nach dem Anschlag von Solingen wollte die selbsternannte „Fortschrittskoalition“ Deutschland sicherer machen, indem es Geflüchtete entrechtete und obdachlos machte. Eine menschliche Bankrotterklärung. Von Anfang an warnten Expert*innen, Jurist*innen, Menschenrechtsorganisationen, Sozialverbände, Kirchen – alle sagten: Das ist rechtswidrig. Das verstößt gegen die Menschenwürde. Doch die Regierung hört, wie so oft, nicht zu.

Seither haben Pro Asyl zufolge mehr als 60 Gerichte in Deutschland den Betroffenen, die gegen den Leistungsausschluss geklagt hatten, Recht gegeben. Und nun auch die Vereinten Nationen. Das ist mehr als ein juristischer Sieg: Es ist ein Signal an unsere Gesellschaft, dass es sich lohnt, für die eigenen Rechte zu kämpfen. Wenn Ungerechtigkeit und Entrechtung politisch beschlossen wird, macht es Hoffnung, dass es eine Zivilgesellschaft gibt, An­wäl­t*in­nen und Aktivist*innen, die Gerechtigkeit erkämpfen. Der Rechtsstaat wird von unten verteidigt.

Es ist leicht, sich ohnmächtig zu fühlen in Zeiten, in denen selbst eine Regierung, die sich „progressiv“ nennt, Schutz zum Risiko erklärt. Vor allem jetzt, wenn mit Union und SPD eine Regierung an der Macht ist, die bewiesen hat, dass sie sich über Gerichtsentscheidungen hinwegsetzt, beispielsweise mit den Zurückweisungen an der deutschen Grenze. Aber dann sieht man Menschen, die nicht aufgeben und ihre Rechte einklagen, und man begreift: Hoffnung entsteht durch Beharrlichkeit.

Was bleibt, ist eine Frage, die je­de*r für sich selbst beantworten muss: Was tun, wenn Gesetze Menschen entrechten? Wegsehen oder widersprechen? Schweigen oder handeln? Aus Prinzip Hoffnung zu haben bedeutet, in der Ungerechtigkeit nicht zu verharren, sondern sich seiner Rechte bewusst zu sein und für sie zu streiten.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Musikfestival Out.Fest in Portugal: Stottern, scheuern und dröhnen
    • October 8, 2026

    Ortsbesuch in der portugiesischen Industriestadt Barreiro, wo das experimentelle Musikfestival Out.Fest stattfindet. Inklusion trägt hier zum utopischen Sound bei. mehr…

    Weiterlesen
    Spazierengehen üben: Schlendern wie am Schnürchen
    • October 8, 2026

    Der Spaziergang sollte kein schnelles Weglaufen sein. Es gibt viel zu entdecken. Der Vorsatz des Monats: weiterlaufen, nur nicht zu flott. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Musikfestival Out.Fest in Portugal: Stottern, scheuern und dröhnen

    • 9 views
    Musikfestival Out.Fest in Portugal: Stottern, scheuern und dröhnen

    Spazierengehen üben: Schlendern wie am Schnürchen

    • 8 views
    Spazierengehen üben: Schlendern wie am Schnürchen

    Anklage gegen Polizisten: Frankfurter Polizist soll Mann in Gewahrsam gedemütigt haben

    • 8 views
    Anklage gegen Polizisten: Frankfurter Polizist soll Mann in Gewahrsam gedemütigt haben

    Kampf für Bildungsgerechtigkeit: Keine Gelder mehr für Bildung von Zugewanderten

    • 10 views
    Kampf für Bildungsgerechtigkeit: Keine Gelder mehr für Bildung von Zugewanderten

    Maulkorb für Forschungspolitiker: Galoppierende Geheimhaltung

    • 9 views
    Maulkorb für Forschungspolitiker: Galoppierende Geheimhaltung

    Datenschutzbeauftragter Hennemann: „Digitale Souveränität ist wichtig“

    • 7 views
    Datenschutzbeauftragter Hennemann: „Digitale Souveränität ist wichtig“