Klimakonferenz in Brasilien: Ein gewichtiger Austragungsort

Über die Weltklimakonferenz sagen Zy­ni­ke­r:in­nen gern: Bringt doch sowieso nichts. Doch sie sehen nicht genau hin – diese COP wird eine besondere sein.

P ünktlich zu Beginn der diesjährigen Weltklimakonferenz (COP) in Brasilien werden auch alle Zy­ni­ke­r:in­nen wieder laut, die angesichts dieser Großveranstaltung der Vereinten Nationen niemanden verstehen können, der sich dafür interessiert. Wenn man dann sogar noch Erwartungen an das größte globale Forum für Klimapolitik hat, wird auf die vergangenen, teils enttäuschenden COPs verwiesen. Doch wer diese zum Maßstab nimmt, macht es sich zu einfach.

Die Stadt Belém am Rand des Amazonasregenwalds zum Austragungsort der COP30 zu machen, war eine bewusste Wahl von Brasiliens Präsident Lula da Silva. Damit wird eines der wichtigsten Ökosysteme der Welt zur internationalen Bühne der Klimadiplomatie – und hoffentlich zur stillen Mahnung an alle Verhandler:innen. Im Kontrast dazu steht das letzte Gastgeber- und Ölförderland Aserbaidschan, wo man in Souvenirläden Schneekugelattrappen mit Ölpumpen darin kaufen kann.

Eine wichtige Botschaft ist außerdem: Zum ersten Mal seit 2021 findet die Konferenz nicht in einem autoritären Regime statt. Das bedeutet, dass Protest auch abseits des COP-Geländes endlich wieder möglich ist. In Brasilien dürfen wir nicht nur Straßenproteste erwarten, die Druck auf die Ver­hand­le­r:in­nen ausüben können. Die Amazonasregion ist auch die Heimat von fast der Hälfte der indigenen Bevölkerung Brasiliens – sie haben starke Hoffnung, bei den Verhandlungen etwas zu erreichen.

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Indigene Menschen sind auf Weltklimakonferenzen chronisch unterrepräsentiert. Dabei nehmen sie eine zentrale Rolle im Kampf gegen die Klimakrise ein: So belegen diverse Studien, dass jene Teile des Amazonasregenwaldes, die in indigenen Territorien liegen, signifikant weniger Waldverlust verzeichnen und sich teils sogar positiv auf Aufforstung auswirken.

Niemand sollte blindes Vertrauen in eine Institution haben, dessen Beschlüsse seit jeher hinter dem zurückbleiben, was in Sachen Emissionsminderung, Klimaanpassung oder Klimafinanzierung notwendig ist. Aber wer sagt, diese COP werde so sein wie die vorangegangenen, hat nicht genau hingesehen.

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