Hörbuch „Im Leben nebenan“: Das Ich aus der Parallelwelt

Von ungewollter Kinderlosigkeit zu Regretting Motherhood: In „Im Leben nebenan“ werden verschiedene Facetten von (Nicht-)Mutterschaft zum Thema.

Wie wäre mein Leben, hätte ich mich manchmal anders entschieden? Habe ich an einem bestimmten Punkt die falsche Abzweigung gewählt und so eine bessere Version verpasst? Diese Art von Gedanken bezeichnen Psy­cho­lo­g:in­nen als kontrafaktisches Denken. In schwierigen Situationen tritt es häufig auf.

In einer solchen befindet sich Toni, die Protagonistin aus Anne Sauers Debütroman „Im Leben nebenan“. Sie wohnt in einer nicht benannten deutschen Großstadt, die vermutlich Hamburg ist. Toni ist in ihren Dreißigern und möchte schwanger werden, doch es klappt nicht. Hormonbehandlungen, Eisprungtracking, Enttäuschungen, Neid, Beziehungsprobleme: All das bestimmt ihr Leben.

Dann wacht sie plötzlich in ihrem Heimatdorf auf: in einem anderen Leben. Darin ist sie mit ihrer Jugendliebe verheiratet und hat gerade ein Kind bekommen. Ab da werden beide Leben parallel erzählt: das ohne und das mit Kind.

Besonders pikant: Antonia, wie sie in dem anderen Leben genannt wird, wünscht sich nichts sehnlicher, als ihr vorheriges Leben zurückzuhaben: Sie will keine Mutter sein.

Keine reine Was-wäre-wenn-Geschichte

Auch als Hörbuch lässt sich der von Chantal Busse gelesenen emotionalen, aber doch ruhig erzählten Geschichte trotz der ständigen Perspektivwechsel gut folgen. Busse liest sanft und einfühlsam, gibt den zwei Protagonistinnen, die doch die gleiche Person sind, die für sie passende Stimme. So lässt sich das Hörbuch trotz der Schwere und des rasanten Tempos leicht nebenher hören.

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das hörbuch

„Im Leben nebenan“

von Anne Sauer,

gelesen von Chantal Busse,

Hörbuch Hamburg

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„Im Leben nebenan“ verhandelt ungewollte Kinderlosigkeit, gewollte Kinderfreiheit und Regretting Motherhood zugleich und stellt dabei die große Frage: Ist das kinderlose Leben nicht doch das bessere?

Es bleibt keine Was-wäre-wenn-Geschichte, sondern ist auch eine über Akzeptanz. Die ist der evolutionäre Zweck des kontrafaktischen Denkens: Indem wir uns alternative Leben ausmalen, lassen wir los – und planen so direkt unsere Zukunft.

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