US-Sanktionen gegen HateAid: Europa darf nicht klein beigeben

D as muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Wer sich gegen Morddrohungen, Vergewaltigungsfantasien, digitale Hetzjagden einsetzt, gilt in Washington mittlerweile als radikale Aktivistin – nicht aber die Plattformen, die diese Straftaten zulassen. Die jetzt verhängten Sanktionen der US-Regierung gegen die Gründerinnen von HateAid, einer Organisation gegen Hass im Netz, ist nicht nur eine Kampfansage für all jene, die sich gegen Hass einsetzen, sondern gegen die Rechtsstaatlichkeit und Europa.

HateAid tut das, was der Staat allein längst nicht schafft: Sie unterstützt Menschen, die online beleidigt, bedroht und terrorisiert werden. Das sind keine Meinungskonflikte, das sind Straftaten. Wer das Zensur nennt, will keinen freien Diskurs, sondern Straffreiheit für Täter.

Dass ausgerechnet US-Präsident Donald Trump und seine Administration diesen Feldzug führen, ist nicht verwunderlich. Ein Präsident, der selbst permanent Grenzen überschreitet, mit sexualisierter Sprache provoziert, Gegner bedroht und die Justiz als Feind betrachtet, fühlt sich zwangsläufig von denen bedroht, die Plattformen in die Pflicht nehmen wollen. Organisationen wie HateAid stören, weil sie genau das tun: Verantwortlichkeit einfordern. Freiheit ist ohne Verantwortung nichts wert.

=”” span=””>

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

Wenn Washington europäischen Aktivistinnen die Einreise verbietet, weil sie europäisches Recht durchsetzen, dann wird Europas Souveränität offen infrage gestellt. Der Digital Services Act ist demokratisch beschlossen. Er gilt in Europa, Punkt. Europa und Deutschland dürfen jetzt nicht höflich empört, sie müssen deutlich reagieren. Wer den Schutz vor digitaler Gewalt kriminalisiert, stellt sich gegen Grundrechte. Wer NGOs einschüchtert, um Konzerne zu schützen, offenbart, auf welcher Seite er steht.

Meinungsfreiheit heißt nicht, andere ungestraft zu bedrohen. Und Demokratie heißt nicht, dass der Lauteste oder Reichste gewinnt. Wenn die USA unter Trump das nicht mehr unterscheiden wollen, dann liegt es an Europa, das umso entschiedener zu verteidigen.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat
    • March 18, 2026

    Kulturstaatsminister Weimer trifft unpopuläre Entscheidungen und entzieht sich dann der öffentlichen Auseinandersetzung. Wie feige ist das denn? mehr…

    Weiterlesen
    Drogenkonsum in Berlin: Die ganze Bandbreite der Gesellschaft
    • March 18, 2026

    Eine Abwasseranalyse zeigt: Vor allem der Konsum von Kokain steigt stark. Für viele gehört die Droge zum Alltag, auch durch die ständige Verfügbarkeit. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat

    • 12 views
    Leipziger Buchmesse ohne Weimer: Kulturkämpfer ohne Rückgrat

    Drogenkonsum in Berlin: Die ganze Bandbreite der Gesellschaft

    • 14 views
    Drogenkonsum in Berlin: Die ganze Bandbreite der Gesellschaft

    Mentale Gesundheit von Schü­le­r:innen: Pauken und Schnauze halten

    • 13 views
    Mentale Gesundheit von Schü­le­r:innen: Pauken und Schnauze halten

    Rabatte im Supermarkt: Apps für die Zweiklassengesellschaft

    • 14 views
    Rabatte im Supermarkt: Apps für die Zweiklassengesellschaft

    Geheimdienst-Chef in Iran getötet: An der Spitze des Regimes verdächtigt wohl jeder jeden

    • 13 views
    Geheimdienst-Chef in Iran getötet: An der Spitze des Regimes verdächtigt wohl jeder jeden

    Der Iran-Krieg und die Golfstaaten: Keine Ruhe mehr am Persischen Golf

    • 11 views
    Der Iran-Krieg und die Golfstaaten: Keine Ruhe mehr am Persischen Golf