US-Medien: Zensiert – blamiert

Das Nachrichtenmagazin CBS kippt die Ausstrahlung eines TV-Beitrags. Der legt Misshandlungen von abgeschobenen Geflüchteten nach El Salvador offen.

S elten hat sich Zensur so auf offener Bühne beobachten lassen wie im Fall des TV-Beitrags über das salvadorianische Foltergefängnis CECOT, der von der CBS-Nachrichtenchefin Bari Weiss drei Stunden vor der Ausstrahlung des etablierten investigativen Magazins gekippt wurde. Ihre Begründung, der Beitrag sei journalistisch mangelhaft, erweist sich als vorgeschoben.

Der knapp 14-minütige Film enthält schockierende Szenen und Zeugenaussagen von venezolanischen Migranten, die im März durch die Trump-Regierung verhaftet und nach El Salvador ausgeflogen worden waren. Man hatte sie entkleidet, kahl geschoren, brutal misshandelt und kaum bekleidet in Sammelzellen eingesperrt, wo sie wie Pakete auf Stahlregalen kauern mussten.

Der Beitrag war nicht mangelhaft, sondern hatte bei CBS bereits alle redaktionellen und juristischen Überprüfungen bestanden. Er ist ein drastisches Dokument, wie weit die derzeitige US-Regierung in ihrem Kampf gegen Migranten Menschenrechte verletzt. Er widerlegt auch die Behauptung von Trumps Sprecherin, nur übelste Kriminelle seien nach El Salvador gebracht worden. Vielmehr waren die Hälfte der Verhafteten bislang nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.

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CBS, das aus ökonomischen Gründen auf das Wohlwollen der Trump-Regierung angewiesen ist, hat sich mit seiner Zensur gründlich blamiert. Denn Bari Weiss verfügte die Sperrung des Beitrags erst, nachdem er schon an den kanadischen Partnersender Global TV überspielt und auf dessen Webseite veröffentlicht worden war. Von dort fand er rasch seinen Weg in die sozialen Medien und war für CBS nicht mehr einzufangen.

Bari Weiss hatte keine Erfahrungen im TV-Journalismus, als sie vor drei Monaten an die Spitze von CBS-News katapultiert worden war. Sie hatte sich aber einen Namen als streitbare Autorin und Kritikerin vermeintlicher Zensur an Universitäten oder in sozialen Netzwerken wie Twitter gemacht. Jetzt hat sie gezeigt, dass sie selbst nicht vor Zensur zurückschreckt, wenn diese politisch opportun ist.

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