Konflikt im Südjemen: Saudi-Arabien lädt zu Konferenz nach Riad

afp / Reuters | Die Separatisten ⁠im Süden des Jemen haben sich nach ihren jüngsten militärischen Rückschlägen zu Gesprächen mit der international anerkannten Regierung bereit erklärt. In einer Erklärung begrüßte der Südliche Übergangsrat (STC) am Samstag einen entsprechenden Aufruf Saudi-Arabiens zum Dialog als „echte Chance“. Tarek ‍Saleh, ein Mitglied des jemenitischen Präsidialrats, traf sich bereits mit dem saudischen ⁠Verteidigungsminister Prinz Chalid bin Salman, um die diplomatischen Bemühungen des Nachbarlands zu unterstützen.

Zuvor hatten die von Saudi-Arabien unterstützten Regierungstruppen im Jemen die ölreiche Region Hadramaut zurückerobert. Die von Riad unterstützten Kräfte hätten bei der Offensive, die am Freitag begonnen hatte, einen „Rekord-Erfolg“ gegen die von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützte STC-Miliz erzielt, erklärte der Vorsitzende des jemenitischen Präsidialrates, Raschad al-Alimi, am Samstag. Das Militärbündnis habe „alle Militär- und Sicherheitsstellungen in der Provinz“ an der Grenze zu Saudi-Arabien zurückerobert, sagte er.

Die Kämpfe hatten zu einem offenen Konflikt zwischen ⁠den ehemals verbündeten Golfmächten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) geführt. Die VAE unterstützen die Seperatisten, die im vergangenen Monat ⁠weite Teile des ehemaligen Südjemen eingenommen hatten und eine Abspaltung vom Norden anstreben. Saudi-Arabien, das die international ‍anerkannte Regierung ⁠stützt, hatte daraufhin eine Basis ‌bombardiert und den Abzug der verbliebenen Truppen der Vereinigten Arabischen Emirate gefordert.

Saudi-Arabien zerstreitet sich mit Golf-Emiraten

Traditionell sind Saudi-Arabien und die Emirate enge Verbündete. Beide Länder führen eigentlich eine Militärkoalition an, die im Jemen gegen die vom ‌Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpft. Beide Staaten unterstützen aber auch seit langem rivalisierende Fraktionen in der zerstrittenen jemenitischen Regierung.

Der von den Emiraten unterstützte STC gehört zwar formal der international anerkannten Regierung des Jemen mit Sitz in Aden an. Sie streitet aber seit Jahrzehnten für einen unabhängigen Staat im Südjemen, wie er schon einmal von 1967 bis 1990 bestand. Im Dezember hatte die Miliz in einer Blitzoffensive, in der sie auf wenig Widerstand stieß, große Teile der ölreichen und an Saudi-Arabien angrenzenden Provinz Hadramaut sowie auch Teile der benachbarten Provinz Mahra an der Grenze zum Oman unter ihre Kontrolle gebracht.

Infolge der Offensive der STC-Miliz waren die Emirate und Saudi-Arabien, die sich im Jemen auch im Kampf gegen die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz zusammengeschlossen haben, in beispielloser Weise miteinander in Konflikt geraten. Riad hatte den Emiraten vorgeworfen, den STC zu der Offensive an der Südgrenze Saudi-Arabiens gedrängt zu haben. Die Emirate dementierten, hinter der STC-Offensive zu stecken.

Rückzieher der Vereinigten Arabischen Emirate

Wegen des eskalierenden Konflikts hatte Saudi-Arabien die Emirate am Dienstag aufgerufen, ihre verbliebenen Streitkräfte im Jemen binnen 24 Stunden abzuziehen. Abu Dhabi ging darauf ein.

Zuvor hatte das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis mutmaßliche emiratische Waffenlieferungen bombardiert. Bei den von der saudiarabisch geführten Militärkoalition ausgeführten Luftangriffen gegen den STC in Al-Chascha wurden am Freitag 20 Kämpfer getötet.

Ein Militärvertreter der Regierung teilte mit, in der Stadt 160 Kilometer nordwestlich von Mukalla gelegenen Stadt Seijun hätten von Saudi-Arabien unterstützte Kräfte die Kontrolle über den Flughafen sowie über Verwaltungsgebäude übernommen. Am Samstag teilte ein Militärbeamter des STC der AFP mit, dass saudische Kampfflugzeuge „intensive“ Luftangriffe auf einen weiteren STC-Stützpunkt in Barschid westlich von Mukalla geflogen hätten. Zur Zahl der Getöteten machte er zunächst keine Angaben.

Der Jemen ist ohnehin gespalten

Vor diesem Hintergrund hat Saudi-Arabien die dortigen Kräfte zu einer Konferenz in Riad eingeladen. Das Außenministerium drang am Samstag in einer in Online-Netzwerken veröffentlichten Erklärung auf einen „Dialog“ und eine „umfassende Konferenz in Riad, um alle südlichen Gruppierungen zusammenzubringen, um die richtigen Lösungen für die Sache des Südens zu diskutieren“. ⁠

Der Jemen ist seit mehr als einem Jahrzehnt faktisch gespalten: Der Norden des Landes wird von der vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Miliz kontrolliert, über den Süden des Landes herrscht ein fragmentiertes Regierungsbündnis. Sowohl der von den Emiraten unterstützte STC als auch von Saudi-Arabien unterstützte Islamisten sind formal Teil der international anerkannten Regierung, stehen jedoch seit Jahren in Rivalität zueinander.

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