Künstler Anton Henning in Düsseldorf: Surfen zwischen postmoderner Ironie und Furor

Versteckt in einem Hinterhof im hippen Düsseldorfer Stadtteil Flingern mit seiner beachtlichen Dichte an Kunstgalerien liegt die Sammlung Philara. Hinter einer unscheinbaren Tür tut sich eine verschachtelte Ausstellungsfläche von über 1.700 Quadratmetern mit bis zu neun Meter hohen Decken auf. Das 2016 eröffnete Privatmuseum des Düsseldorfer Immobilienunternehmers und Kunstsammlers Gil Bronner widmet sich ausschließlich der Gegenwartskunst, im Laufe von zwei Jahrzehnten hat Bronner 1.300 Arbeiten angekauft und konzeptionell ziemlich unorthodox von lokalem und regionalem Nachwuchs bis hin zu international etablierten Positionen gesammelt.

In diesem Privatmuseum ist nun das verwirrend vielgestaltige Werk des 1964 geborenen, in Berlin und im Brandenburgischen lebenden Künstlers Anton Henning zu sehen. Henning ist auch als Gestalter von Möbeln und Salon-Interieurs hervorgetreten. „Träume, Trichter & Tricksereien“ lautet der beziehungsreiche Titel der fordernden Schau, deren Objekte schwer in einen ästhetischen Zusammenhang zu bringen sind.

Denn vor Henning ist fast nichts sicher, er zitiert und verarbeitet unerschrocken und mit besitzergreifender Pranke Großkünstler der Vergangenheit und zentrale Motive der Kunstgeschichte. Beinahe jedes Bild triggert tief abgespeicherte Motive, die Henning mal surreal verfremdet oder frech dem blanken Kitsch oder einer ausgestellten wie laienhaften Unbeholfenheit ausliefert. Das Gedächtnis brummt, Henning bedient sich großzügig und in einem Gestus, der zwischen postmoderner Ironie und zerstörerischem Furor oszilliert.

Er stapelt nicht tief

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Die Ausstellung

Anton Henning: „Träume, Trichter & Tricksereien“, Sammlung Philara Düsseldorf, bis 25. Januar

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Bei den Bezugspunkten stapelt er nicht gerade tief: Picasso, Modigliani, Matisse, aber auch Courbet, Tizian und Rembrandt unterzieht er seinen Befragungen danach, wie sich die Kunstgeschichte mit der Gegenwart verbinden lässt. Als „Diebereien“ bezeichnet Henning selbst seine Methode, mit denen er das Alte wie durch ein Nadelöhr seines mitunter bewusst schlechten Stils in die Gegenwart holt.

Ein ganz eigenes Motiv dagegen sind Kühe, die in mehrfacher Ausführung zu sehen sind, eine schaut konsterniert auf rosa Hintergrund hinter einem Design-Sofa hervor. Ein weiteres, sich wiederholendes Motiv sind abwechselnd medizinisch oder industriell anmutende Trichter mit langen Schläuchen, mit denen er aberwitzige Verbindungen herstellt.

Und dann gibt es noch ein seltsames, flaches, mit drei wulstigen Armen ausgestattetes Objekt, das in abstraktem Bild-Umfeld wie eine ausgefranste fliegende Untertasse, oder in der grobkörnig adaptierten „Begegnung“ von Gustave Courbet wie eine Boomerang-ähnliche, fließende Form wirkt. „Hennling“ nennt Henning diese Form, die sich als selbstreferenzieller Witz durch seine Werke zieht.

Und auch ein ungebrochen naives Stillleben

Aktuelle Arbeiten wie „Paradies“ wecken mit ihren schwellenden, fleischartigen Formationen dagegen Assoziationen an den Surrealisten Salvador Dalí, aber auch an Fantasiewesen aus der Hexenküche des Hieronymus Bosch. Mehrfach nähert er sich auch der aktuellen Popkultur, Motiven von Andy Warhol, und malt auch mal ein ungebrochen naives Blumenstillleben in schreienden Farben. Als Provokation?

Man weiß es nicht. Viele Arbeiten geben Rätsel auf, häufig entsteht der Eindruck, dass Henning an einer Lösung gar nicht interessiert ist, sondern nur an der eigenen, weiterhin berserkerhaft strömenden Produktion, die – ausgelassen oder manisch? – zwischen den Welten, Genres und Stilen surft.

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