Zalando schließt Erfurter Standort: Kahlschlag mit der Kettensäge

Die Schließung in Erfurt zeigt das wahre Gesicht des ehemaligen Start-ups Zalando: Das Schicksal der Beschäftigten ist dem Konzern völlig egal – typisch.

W ohlkingende Worte: „Die Mitbestimmung der Mit­ar­bei­te­r*in­nen ist das Fundament unserer Unternehmenskultur und ein Schlüssel unseres Erfolgs. Unsere mehr als 15.000 Mit­ar­bei­te­r*in­nen sind unser wertvollstes Gut.“ So beschreibt sich der Moderiese selbst auf seiner Homepage.

Spätestens seit der Nachricht, dass Zalando sein Logistikzentrum in Erfurt mit 2.700 Mitarbeitern Knall auf Fall schließt, ist klar: Das ist das übliche PR-Gerede, um sich bei Investoren beliebt zu machen und die Mitarbeiter einzulullen. Hauptsache, es wird gegendert – aber die „Mitarbeiter*innen“ sind für Zalando eine bloße Verfügungsmasse, die man jederzeit abstößt, wenn es passt.

Der DAX-Konzern, der 2024 einen Gewinn vor Steuern von 511 Millionen Euro erzielte, stammt aus der Start-up-Kultur, wo man sich gern progressiv gibt, aber auf der anderen Seite knallhart neoliberal agiert. Wenn Strukturen scheinbar „optimiert“ werden müssen, wie es dann immer heißt, wird die Kettensäge herausgeholt.

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Unternehmen wie Amazon oder Zalando landen mit ihren Logistikzentren wie Raumschiffe auf der grünen Wiese, greifen gern Subventionen ab (für Zalando in Erfurt knapp über 20 Millionen Euro), entwickeln aber keinerlei Bezug zur Region. Kompromisse und Alternativen, die sie mit Kommunen und Gewerkschaften aushandeln könnten, werden gar nicht erst versucht.

Gerade für Ostdeutschland sollte die Nachricht ein Warnsignal sein, bei vollmundigen Versprechungen von global agierenden Konzernen vorsichtiger zu sein. Hundert kleine Mittelständler zu fördern ist allemal besser, als die gleiche Summe vermeintlich großen Namen hinterherzuwerfen.

Übrigens: Zalando hat einen hohen Streubesitz ihrer Aktien von 60 Prozent. Es ist also nicht der eine böse Kapitalist, der hinter Zalando steht, sondern es sind sehr viele Kleinaktionäre, die auf Dividenden und Aktiengewinne hoffen. Sie sollten sich genau überlegen, ob sie wirklich ein Unternehmen unterstützen wollen, dem das Schicksal ihrer Mitarbeiter komplett egal ist.

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