IS-Terror in Afghanistan: Viele Verletzte, sieben Tote

Eine Explosion hat im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul ein chinesisches Restaurant verwüstet. Dabei wurden am Montagnachmittag sieben Menschen getötet, darunter sechs Af­gha­n*in­nen sowie ein chinesischer Staatsbürger. Mindestens 13 Personen, darunter vier Frauen und ein Kind, wurden verletzt in das Krankenhaus der italienischen Hilfsorganisation Emergency eingeliefert, teilte deren Sprecher mit. Chinas Staatsfernsehen CCTV zufolge seien auch unter den Verletzten zwei chinesische Staatsangehörige.

Der afghanische Ableger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) namens Islamischer Staat – Khorassan-Provinz (ISKP) erklärte auf dem IS-Nachrichtenkanal al-Amaq, ein Einzelkämpfer habe in dem Lokal einen Selbstmordanschlag verübt. Sie habe „chinesische Bürger“ wegen der „zunehmenden Verbrechen der chinesischen Regierung gegen die unterdrückten uigurischen Muslime“ auf ihre „Zielliste“ gesetzt.

Im Juli hatte die Gruppe online Uiguren aufgefordert, sich ihr anzuschließen und Chinas „Reich der Tyrannei“ zu zerstören. Der IS versucht, Mitglieder bewaffneter uigurischer Gruppen zu rekrutieren, die in Afghanistan bei den Taliban Zuflucht fanden, von ihnen aber an grenzüberschreitenden Aktionen gehindert werden, um die Beziehungen mit Peking nicht zu stören.

Ein Sprecher des Taliban-Innenministeriums bestätigte, dass es Tote gab sowie die IS-Urheberschaft. Ob Letzteres auf mehr Erkenntnissen als die Selbstbezichtigung der Gruppe beruht, ist aber unklar. Die Sperrung der Straße zur Untersuchung des Explosionsortes wurde laut Augenzeugen schon nach wenigen Stunden wieder aufgehoben.

Anschlagsort ist bei Ausländern beliebtes Viertel

Das „Lanzhou Beef Noodles“-Restaurant befindet sich im Kabuler Stadtteil Schahr-e Nau (Neustadt). Der war vor Jahrzehnten Treffpunkt nach Indien reisender Hippies auf der Suche nach preiswerten Drogen und zuletzt während der Nato-Intervention eine beliebte Einkaufsmeile für Be­su­che­r*in­nen aus den beteiligten Ländern. Nach dem westlichen Abzug 2021 nahmen chinesische, mittelasiatische und russische Geschäftsleute ihren Platz ein. Das Restaurant galt als Treffpunkt der chinesischen, nach anderen Angaben der chinesisch-muslimischen Gemeinde in Kabul.

Sollte es tatsächlich ein IS-Anschlag sein, wäre es der erste, den die Gruppe seit einem Angriff auf das Kabuler Städtebauministerium sowie eine Bankfiliale in Kundus im Februar 2025 für sich reklamiert. Möglicherweise sind IS-Kämpfer auch an den Angriffen auf Goldsucher beteiligt, die sich seit mindestens 2023 immer wieder auf beiden Seiten der Grenze zu Tadschikistan ereignen.

In beiden Ländern sind am Goldabbau Firmen mit chinesischer Beteiligung und teilweise chinesischem Personal beteiligt. Bei zwei solchen Angriffen wurden im November fünf Chinesen getötet. Bei einem Angriff in Tadschikistan soll sogar eine Drohne eingesetzt worden sein.

Allerdings verweisen Terrorismus-Experten darauf, dass sich der IS zu keiner dieser Aktionen bekannte. Zudem kommt es in beiden Ländern immer wieder zu Konflikten zwischen örtlichen Bevölkerungen, mit beiden Regierungen verbundenen lokalen Interessengruppen und den Unternehmen. Dabei geht es um die Kontrolle über die Goldgewinnung. Außerdem führt die eingesetzte Technik zu Umleitungen von Flusswasser, die den Strömungsverlauf und damit das Ufer und sogar den Grenzverlauf verändern.

Es bleiben Fragen zur Urheberschaft

Der afghanische IS-Ableger namens Islamischer Staat – Khorassan-Provinz (ISKP) hatte seine Aktivitäten zuletzt nach Pakistan verlegt, aber auch dort chinesische Ziele anvisiert. In Afghanistan griff er zuletzt im Dezember 2022 ein bei chinesischen Geschäftsleuten populäres Kabuler Hotel sowie im Januar 2023 vor dem Außenministerium chinesische Diplomaten an. Peking forderte die Taliban jüngst erneut auf, mehr für die Sicherheit seiner Landsleute in Afghanistan zu tun.

Fragen wirft auf, dass der jetzt in Kabul getötete Chinese ein Uigure war und das Restaurant von chinesischen Muslimen betrieben wird. Das passt eigentlich nicht zum IS-Zielschema. Allerdings hält sich die kleine, seit Jahrzehnten in Kabul lebende Uiguren-Gemeinde aus Angst vor Deportationen vom IS fern.

  • informationsspiegel

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