Australian Open: Die Becker-Graf-Zeiten sind vorbei

I m Kicker gibt es die Rubrik „Die Duelle der Deutschen“. Am Anfang der Australian Open herrschte dort noch wunderschöne Parität, wie keine Geschlechterbeauftragte es sich besser hätte ausdenken können: Vier Frauen, vier Männer traten an. Jetzt, zur Halbzeit des ersten Tennis-Grand Slams des Jahres, würde in der Rubrik gähnende Leere herrschen, gäbe es nicht wenigstens Alexander Zverev.

Nun ist es von einem bestimmten Standpunkt aus vielleicht auch egal, ob sich diese Rubrik einer gewissen Lebhaftigkeit erfreut oder nicht. Also, ob Deutsche im Tennis erfolgreich sind oder eher nicht so. Die Glanzzeiten von BB und SG, also von Boris Becker und Steffi Graf, sind lange vorbei, die richtigen Boomzeiten also, und der „weiße Sport“ ist vom modischen Volkssport wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, zumindest bei den Frauen. Wer die Werbung für das Turnier in Bad Homburg kennt, weiß, was ich meine.

Auch an den Namen Michael Stich erinnern sich nur noch die, die sich für Tennis interessieren. Und Angelique Kerber, sie war die letzte Deutsche, die einen Grand Slam gewinnen durfte (sogar derer drei, der erste in Melbourne), dreht mittlerweile lieber Insta-Reels, in denen sich ihr Schläger in eine Pulla, eine Babytrinkflasche, verwandelt.

Die Frau, die bei diesen Australian Open, dem Happy Slam, für gute Stimmung sorgte, war Laura Siegemund. Sie legte zuerst in Runde 1 eine legendäre Aufholjagd hin – nach 0:6, 2:5, 15:40 gewann sie noch. Dann bot sie auch der Lokalheldin Maddison Inglis einen harten, aber fairen Kampf – auch gegen die Schiedsrichterin, die sie in einer Szene benachteiligte. Auch das Spiel war knapp: 4:6, 7:6, 6:7 – 7:10 im finalen Tiebreak. Das war es dann.

37 und 38 Jahre alt

Nun ist Siegemund schon 37; die deutsche Nr. 2, Tatjana Maria, ist mit 38 Jahren sogar noch älter. Es gibt noch Eva Lys, 24, ohne Zweifel ein Talent, aber sichtlich ohne die Qualität, die es braucht, um es jenseits von Mode- und Möbelwerbung ganz nach oben zu schaffen.

Alexander Zverev steht unterdessen bereits im Viertelfinale. Der deutsche Nachwuchs findet weit und breit nicht statt. Aber wie gesagt, man kann das auch egal finden – auch zwischen Graf und Kerber lagen mehr als 15 Jahre.

Und auch andere Länder haben starke Tennisspielerinnen; wobei es scheint, dass eine gewisse Beliebigkeit in den Siegerinnenlisten von einer den Männern (Sinner/Alcaraz) ähnlichen Bipolarität abgelöst worden ist: Gewinnt nicht Iga Swiatek, gewinnt eben Aryna Sabalenka und umgekehrt. Beide sind selbstredend auch 2026 noch dabei. Die Zeichen auf ein Finale zwischen ihnen stehen gut.

  • informationsspiegel

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