Erneuerbarer Ersatz für Erdgas: Wasserstoff aus Lothringen statt aus dem Saarland

Das ist ein Rückschlag für die deutsche Wasserstoffwirtschaft: Im Saarland sind alle drei großen Projekte zur Wasserstofferzeugung offenbar gescheitert. Trotz zum Teil hoher zugesagter Fördersummen halten die Investoren ihre geplanten Elektrolyseure in Völklingen, Saarlouis und Perl inzwischen allesamt für unwirtschaftlich. Damit wird es wohl auf absehbare Zeit keine nennenswerte Produktion von Wasserstoff im Saarland geben, wie zuerst die Saarbrücker Zeitung berichtete.

Wasserstoff soll nach den Plänen der Politik als großer Energiespeicher ein wichtiger Baustein einer klimafreundlichen Energiewirtschaft werden: Das Gas wird erzeugt, indem überschüssiger Solar- und Windstrom genutzt wird, der ansonsten verloren ginge. Damit werden erneuerbare Energien speicherbar und können zu einem späteren Zeitpunkt Erdgas in der Industrie und in umgerüsteten Gaskraftwerken ersetzen.

Doch in der Praxis geht es schleppend voran. Bereits im September hatte Steag Iqony ihre Pläne zum Bau eines Elektrolyseurs am traditionellen Steag-Kraftwerksstandort in Völklingen-Fenne – Projektname „HydroHub Fenne“ – auf Eis gelegt. Man sei „erheblich in Vorleistung gegangen“, habe „das Projekt kräftig vorangetrieben“, sagte ein Firmensprecher auf Anfrage, doch unter den aktuellen Rahmenbedingungen habe sich eine Realisierung als unmöglich erwiesen. Unter anderem seien „die hohen Strompreise in Deutschland eine große Hürde“, ebenso „die bürokratischen Anforderungen“, die Brüssel stelle.

Steag Iqony wollte ursprünglich in diesem Jahr eine Anlage bauen, die bis zu 8.700 Tonnen Wasserstoff pro Jahr erzeugen sollte. Die Saarbahn sollte das Gas abnehmen, um damit ihre Brennstoffzellenzüge und -busse zu betreiben. So wollte Iqony, wie sie betonte, „eine wichtige Unterstützung bei der schrittweisen Dekarbonisierung des ÖPNV in der Metropolregion Saarbrücken“ leisten. Die EU-Kommission hatte das 53-Megawatt-Projekt sogar als „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI) anerkannt, doch am Ende nahm Iqony die zugesagten Förderungen des Bundes und des Landes in Höhe von 100 Millionen Euro nicht in Anspruch.

In Saarlouis wollte unterdessen der Energiekonzern RWE die Dillinger Hüttenwerke durch eine Elektrolyse-Anlage vor Ort mit bis zu 50.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr versorgen. Doch nachdem der Stahlerzeuger jüngst „einen deutlich niedrigeren Wasserstoffbedarf kommuniziert“ habe, sei das Projekt für RWE nicht mehr wirtschaftlich und werde nicht weiter vorangetrieben, sagte ein Unternehmenssprecher.

Drei Anlagen in Lothringen

Das dritte Projekt sollte ein 70-Megawatt-Elektrolyseur des französischen Wasserstoffkonzerns Lhyfe sein, dessen Bau in der ersten Hälfte des Jahres 2027 in Perl starten sollte. Nach Angaben der Saarbrücker Zeitung wird auch dieses Projekt, das 11.000 Tonnen Wasserstoff im Jahr bringen sollte, nicht realisiert. Dafür würden drei Elektrolyseure im nahegelegenen Lothringen gebaut, weil dort die Rahmenbedingungen besser seien. Auf eine Anfrage der taz ließ die Firma Lhyfe zu dem Projekt lediglich wissen, es gebe aktuell keine Neuigkeiten.

Die Grünen im Saarland beklagen nun in einer Mitteilung, das Saarland verliere „bei einer zentralen Zukunftstechnologie zunehmend an Boden“. Die Partei sieht „zentrale strukturelle Ursachen“ hinter dem Scheitern der Projekte: Der Ausbau von Wind- und Solarenergie komme „viel zu schleppend voran“, deswegen reichten die Strommengen „bei Weitem nicht aus, um eine relevante Wasserstoffproduktion wirtschaftlich zu ermöglichen“. Für einen „Industriestandort, der vor einer tiefgreifenden Transformation steht“, sei das „ein gravierender Standortnachteil“.

Doch es ist nicht nur Thema des Saarlandes: Eine aktuelle Auswertung des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln zeigt, dass das Ziel, in Deutschland 10 Gigawatt Elektrolysekapazität bis zum Jahr 2030 aufzubauen „vermutlich verfehlt“ werde. Aktuell liege die installierte elektrische Leistung von Elektrolyseuren in Deutschland bei 181 Megawatt, für weitere 1,3 Gigawatt gebe es zumindest eine finale Investitionsentscheidung. Ursache des schleppenden Ausbaus seien „hohe Investitions- und Betriebskosten in Verbindung mit einer relativ geringen Zahlungsbereitschaft der Verbraucher“.

  • informationsspiegel

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