Flutkatastrophe in Mosambik: Tropenstürme wüten in weiten Landesteilen

Es regnet seit Mitte Dezember. Mindestens 125 Menschen sind bisher in der laufenden Regenzeit in Mosambik den Fluten zum Opfer gefallen, Hunderttausende sind obdachlos geworden. Nach amtlichen Angaben sind 640.000 Menschen von Überschwemmungen betroffen. Die Zahl dürfte mit dem Wasserpegel weiter steigen.

Fruchtbares Ackerland und ganze Ortschaften stehen unter Wasser. Präsident Daniel Chapo nannte die Situation in einer TV-Ansprache eine „beispiellose Herausforderung für unsere nationale Resilienz und Einheit“ und bat um mehr internationale Solidarität. „Unsere Priorität muss sein, Leben zu schützen, öffentliche Dienste wiederherzustellen und Wiederaufbau zu leisten.“ Die Regierung werde Tag und Nacht mit humanitären Partnern arbeiten, um Betroffene zu erreichen und niemanden zu übersehen.

Die Fluten ergießen sich durch zentrale und südliche Landesteile, insbesondere die Provinzen Gaza, Maputo und Sofala. Menschen müssen ihre Häuser verlassen und auf höhergelegenem Boden oder in überfüllten Aufnahmezentren Schutz suchen. 392.000 Menschen sind nach amtlichen Zahlen inzwischen vertrieben, viele weitere leben bei Gastfamilien. Die Katastrophenschutzbehörde INGD (Nationales Institut für Katastrophenmanagement) erwartet einen Anstieg auf über 400.000.

Mehr als 72.000 Häuser stehen unter Wasser, viele weitere sind stark beschädigt oder ganz zerstört. Straßen, Brücken, Gesundheitszentren und Schulen liegen in Trümmern. Es ist aber derzeit noch unmöglich, das ganze Ausmaß der Schäden zu beziffern.

Für Kinder eine „tödliche Kombination“

Unfälle aufgrund der Überschwemmungen haben zahlreiche Verletze gefordert. Hilfswerke schlagen Alarm, dass verunreinigtes Wasser Seuchen wie Cholera verbreiten kann, zumal der Andrang in den Aufnahmezentren die sanitären Einrichtungen überfordert.

Viele der Betroffenen sind Kinder. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef weist darauf hin, dass eine „tödliche Kombination“ von unsicherem Wasser und existierender Unterernährung Leben gefährdet. Mindestens 50 Gesundheitseinrichtungen sind beschädigt oder zerstört, was Zehntausende Menschen ohne medizinische Grundversorgung zurücklässt, auch Schwangere und chronisch Kranke.

Internationale Hilfswerke wie das UN-Welternährungsprogramm WFP, die UN-Weltgesundheitsorganisation WHO oder die Kinderhilfswerke Unicef und „Save the Children“ mobilisieren jetzt massiv, um Notrationen, Trinkwasser, Medikamente und logistische Unterstützung in die betroffenen Orte zu bringen. So evakuiert „Save the Children“ Familien, die in Überschwemmungsgebieten festsitzen, auf Booten. Die Internationale Föderation der Rotes-Kreuz- und Roter-Halbmond-Gesellschaften (IFRC) koordiniert gemeinsam mit den mosambikanischen Behörden die Verteilung von Behelfsbehausungen. Die WHO ruft zum Einsatz mobiler Gesundheitsteams auf.

Dennoch bleibt die humanitäre Unterstützung hinter der Krise zurück, warnen Helfer. Es gibt zu wenig Geld und zu wenig Infrastruktur, da Straßen unter Wasser stehen und Kommunikationsnetzwerke ausfallen. „Das Ausmaß dieser Krise verlangt sofortige und nachhaltige internationale Unterstützung“, sagt Zacarias Zicai, Landesdirektor des Behindertenhilfswerks Light for the World.

Mosambik könnte um Jahre zurückfallen

Mehrere Regierungen haben Mosambik Hilfe zugesagt. Die Regionalorganisation SADC (Southern African Development Communit) hat Nothilfeteams entsandt. Aber humanitäre Helfer weisen darauf hin, dass langfristige Unterstützung nötig ist, damit Mosambik jetzt nicht viele Jahre zurückfällt – zumal es immer wieder und immer häufiger zu schweren Überschwemmungen im südöstlichen Afrika kommt.

In vielen Provinzen Mosambiks, auch im Norden, sind weitere schwere Regenfälle vorhergesagt, und der Höhepunkt der aktuellen Tropensturmsaison wird erst noch erwartet. Wie Präsident Chapo sagte: „Mosambiks Volk ist widerstandsfähig, aber wir können das nicht allein bewältigen. Wir rufen Partner in der ganzen Welt auf, uns in dieser Schicksalsstunde beizustehen.“ Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Mosambik diese Krise meistert.

  • informationsspiegel

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