Kursrutsch bei Gold, Bitcoin und SAP: An den Finanzmärkten wird es ungemütlich

Die vergangene Woche endete mit heftigen Kurssprüngen an den Finanzmärkten. Erst büßte der Tech-Riese Microsoft trotz guter Geschäftszahlen kräftig an Wert ein. Dann folgte der deutsche Software-Konzern SAP mit einem Minus von bis zu 16 Prozent in wenigen Stunden. Beim bis dahin wertvollsten deutschen Konzern war es wohl der nicht mehr so gute Ausblick des Geschäfts mit Clouddiensten, was die Anleger verschreckte. Dabei verzeichnete SAP 2025 einen Nettogewinn von 7,5 Milliarden Euro und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm über zehn Milliarden Euro an, was normalerweise den Aktienkurs stützen sollte.

Am Freitag trafen die Turbulenzen dann das Edelmetall. Der Silberpreis gab um 30 Prozent nach. Kostete eine Unze am Donnerstag noch rund 115 US-Dollar, ging es am frühen Montagmorgen auf nur noch 73 US-Dollar bergab. Auch Gold wurde nach seinem schon lange andauernden Höhenflug deutlich billiger. Pro Unze mussten Käufer unter der Woche noch mehr als 5.500 US-Dollar auf den Tisch legen. Ins Wochenende ging Gold dann mit einem Kurs von unter 4.900 US-Dollar. Zum Wochenstart hat der Wert des Edelmetalls um weitere 350 US-Dollar nachgegeben. Und auch der deutsche Leitindex DAX rutschte zum Handelsstart am Montag erst mal um ein halbes Prozent ins Minus.

Böse erwischt hat es auch Bitcoin & Co. Mit rund 76.000 US-Dollar liegt der Kurs der wichtigsten Kryptowährung weit unter seinem Höchstkurs von 125.000 US-Dollar im vergangenen Oktober. Der zweitwichtigsten virtuellen Währung Ethereum erging es nicht besser.

Experten sehen verschiedene Gründe für die extremen Marktschwankungen dieser Tage. Beim Kurssturz von SAP werden zum Beispiel Zweifel an der Tragfähigkeit des Geschäftsmodells mit Clouddiensten genannt. SAP bietet seit geraumer Zeit nicht mehr nur Unternehmenssoftware, sondern auch Serverleistungen, Analysen, Datenbanken oder Netzwerkdienste gegen Lizenzgebühren an. Eine Sorge ist die weitere Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI), die dem Konzern in diesem Geschäftsfeld womöglich zu schaffen machen könnte. Dennoch ist die Reaktion der Märkte auch für die SAP-Führung überraschend. „So einen heftigen Effekt auf den Aktienkurs hätte ich nicht erwartet“, sagte Vorstand Dominik Asam dem Handelsblatt.

KI verunsichert die Finanzmärkte

Die weitere Entwicklung der KI ist eine der größten Unsicherheiten an den Finanzmärkten. Die hier führenden Firmen wie der Chiphersteller Nvidia, Google oder die Facebook-Mutter Meta sind sehr hoch bewertet. Die KI-Unternehmen stecken viele Milliarden Euro in den Aufbau von Rechenzentren weltweit. Die Frage ist, ob sich diese Investitionen tatsächlich in hohe Gewinne ummünzen lassen. Analysten sind sich da uneinig. Pessimisten sehen hier schon eine Blasenbildung. Platzt die Blase einmal, kann es mit den Bewertungen der Konzerne schnell rasant nach unten gehen. Optimisten halten die hohen Bewertungen für gerechtfertigt, weil KI die Zukunft gehört und weiter steigende Gewinne ermöglicht.

Für unwägbare Marktentwicklungen sorgt auch die sprunghafte Politik des US-Präsidenten. Die Zollpolitik Donald Trumps und seine steten Angriffe auf die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank Fed lassen das Vertrauen in die Stabilität der USA sinken. Das setzte in der vergangenen Woche kurzzeitig auch den US-Dollar unter Verkaufsdruck. Analysten sehen in der erratischen Politik einen Grund für den langen Anstieg der Edelmetallpreise. Gold und Silber gelten als sichere Häfen. Eine indirekte Bestätigung dieser These ist ausgerechnet der Kurseinbruch beider Metalle. Denn in der vergangenen Woche hat Trump seinen Kandidaten für die künftige Leitung der Notenbank benannt, der die Unabhängigkeit der Fed bewahren könnte. Auch wurde ein neuer Haushaltsstillstand der USA noch einmal verhindert. Diese beruhigenden Entwicklungen veranlassten dann wohl Anleger, sich von den Edelmetallen zurückzuziehen und die dort entstandenen Gewinne einzustreichen.

Angesichts der Gemengelage erscheinen Prognosen über die weitere Entwicklung gewagt. Die Einschätzungen der Profis in den Finanzhäusern liegen deutlich auseinander. Die deutsche Finanzaufsicht (Bafin) sieht viele Risiken für Anleger. Die Lage bleibe trotz der auf den ersten Blick positiven Kursentwicklungen fragil, heißt es im Risikobericht der Bafin für das laufende Jahr: „Internationale Handelskonflikte, die teilweise hohe staatliche Verschuldung wichtiger Industrienationen und stark erhöhte Bewertungsniveaus – beispielsweise im Technologiesektor – könnten eine ausgeprägte Korrektur auslösen.“

  • informationsspiegel

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