Bad Bunny beim Super Bowl: Hase gegen Hass

Wenn es gefährlich wird, verkriechen sich Hasen in einem Unterschlupf und warten ab, bis alles vorbei ist. Bad Bunny hingegen würde gar nicht erst einfallen, sich zu verstecken. Stattdessen sucht er die Konfrontation. Und ist damit aktuell wohl eine der unbequemsten Figuren der Popkultur.

Bad Bunny heißt eigentlich Benito Antonio Martínez Ocasio und wuchs in Vega Baja, Puerto Rico, auf, als Sohn einer Lehrerin und eines Truckers. Und als Staatsbürger zweiter Klasse. Denn Puerto Rico ist ein US-Territorium: Dollar und US-Gesetze ja, Wahlrecht bei Präsidentschaftswahlen nein. 3,23 Millionen Menschen ohne Stimme. Amerikanisch genug, um zu dienen und zu zahlen, nicht amerikanisch genug, um mitzuentscheiden. Dass von dort ein globaler Popstar kommt, der sich weigert, leise zu sein, macht sehr vielen Menschen Hoffnung – und manchen Angst.

Als sein Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ vor wenigen Tagen als erstes rein spanischsprachiges Album überhaupt den Grammy für das „Album des Jahres“ gewann, nutzte Bad Bunny die Dankesrede, um Donald Trump und das brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE zu kritisieren. Auch in der Vergangenheit fiel der Künstler immer wieder mit deutlichen politischen Aussagen auf, kritisierte die US-Regierung für ihre Migrationspolitik oder setzte sich für die Rechte der LGBTQIA+-Community ein.

Dementsprechend gespannt wird sein Auftritt auf einer der größten Bühnen der Welt erwartet: dem Super Bowl. Am 8. Februar 2026 wird er die Halftime-Show bestreiten – als erster Puerto-Ricaner überhaupt. Trump nannte die Entscheidung „absolut lächerlich“, konservative Kommentator:innen sprachen von „wokem Irrsinn“, das MAGA-Lager rief zum Boykott der Veranstaltung auf.

Beim Musikhören gleichzeitig weinen und den Arsch schwingen

Bad Bunnys Musik ist anschlussfähig, insbesondere für die 65 Millionen Latinos in den USA. Mit 20 Prozent der Gesamtbevölkerung sind sie die größte Minderheit des Landes. Seit 2018 mischt Bad Bunny Reggaeton mit Bachata, Salsa und Trap. Politische Songs stehen neben Liebesliedern, Wut neben Tanz. „Tití Me preguntó“ handelt von „mucha‘ novia‘“, seinen „vielen Freundinnen“, „El Apagón“ von Gentrifizierung und Widerstand in Puerto Rico.

Im Musikvideo zu „NUEVAYoL“ entschuldigt sich ein Trump-Deepfake bei Migrant:innen. Der Song endet mit der Zeile: Juntos somos más fuertes, zusammen sind wir stärker. Kulturanalytikerin Tefi Pessoa bringt es auf den Punkt: Niemand sonst schaffe es, dass man beim Musikhören gleichzeitig weinen und den Arsch schwingen will.

Auch ästhetisch sprengt Bad Bunny Genregrenzen: Röcke und lackierte Nägel, High Fashion trifft auf traditionelle puertoricanische Kleidung. Im Video zu „Yo Perreo Sola“ tritt er in Drag auf, um auf sexualisierte Gewalt aufmerksam zu machen. Eine Provokation in Zeiten von Tradwife-Idealen, Incel-Kultur und Manosphere-Influencern.

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Dass Bad Bunny seine Halftime-Show komplett auf Spanisch spielen wird, hat in konservativen Kreisen scharfe Kritik ausgelöst. Auf den Aufschrei reagierte er gelassen. Als Gastgeber bei „Saturday Night Live“ sagte er im Oktober, vier Monate seien ja für alle noch genug Zeit, um Spanisch zu lernen.

Was ist amerikanischer, als stolz auf seine Herkunft zu sein, sich einzumischen? In einem Land, das politisch immer kälter wird, ist Bad Bunny eine Stimme des Widerstands. Eine Hoffnung für Latinos, Queers, Demokrat:innen – und für alle, die kurz vergessen wollen, wie düster die Nachrichtenlage ist. Was wir da jetzt noch tun können? Na, weinen und den Hintern schwingen.

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